Dramaturgisch ist der Film sogar gelungen, der Spannungsaufbau über die in den vier Kapiteln erst nach und nach vergebenen Informationen funktioniert. Wie die drei unterschiedlichen Perspektiven die seelische Isolation und gesellschaftliche Maskerade der Figuren offenbaren, das könnte großes Kino sein. Doch die Charaktere bleiben einem fremd (einzige Ausnahme: die verzweifelt-gelangweilte Hausfrau Carla, für deren dichte Darstellung Valeria Bruni-Tedeschi vollkommen verdient den David di Donatello als beste Schauspielerin gewann).

Überhaupt: die Frauen. Sie wollen stets das Gute, doch ihre doofen Männer/Väter/Lebensabschnittsgefährten machen ihnen mit ihrer heillosen Gier einen Strich durch die mit freilich maskuliner Kreditkarte bezahlte Rechnung. Eine Abrechnung auch mit dem berlusconesk-machohaften italienischen Mann also? Gar mit seiner Rolle in der moralischen und wirtschaftlichen Korruption eines ganzen Landes? Nur mit sehr wohlwollendem Blick lässt sich eine solche Analyse allerdings in den Bildern selbst finden.

Die süße Gier ist kein schlechter Film (seine falsche Etikettierung als Wirtschaftskrisenfilm kann man ihm ja schließlich nur bedingt vorwerfen). Aber es ist ein überladener, unentschiedener Film, der zu viel auf einmal erzählt – und damit zugleich zu wenig. Warum ist ein gemütlicher Kerl wie Dino so scharf auf die Superrendite, dass er (der überhaupt nur wie durch ein Wunder an diese vernünftige, empathische Frau geraten zu sein scheint) dafür alles aufs Spiel setzt? Wären die Verhältnisse am Ende überhaupt weniger trostlos, wenn seine Investition ein Erfolg gewesen wäre? Und was hat der verantwortungslose Fahrstil eines Jugendlichen mit all dem zu tun?

Ironischer Weise leidet Die süße Gier damit an den gleichen Problemen wie seine Protagonisten: Maßlosigkeit, Entscheidungsschwäche. Gierig auf möglichst viele Gesichter und Geschichten bleibt auch ihm von seinem immensen Einsatz so schließlich kaum etwas übrig.