ZEIT ONLINE: Sie sind in den sechziger und siebziger Jahren zur Schule gegangen. Ist die Generation Ihrer Eltern entspannter an die schulische Entwicklung ihrer Kinder herangegangen?

Wortmann: Entspannter, aber vielleicht auch gleichgültiger. Es war jedoch auch eine andere Zeit, weil Lehrer damals noch echte Respektspersonen waren. Meine Eltern haben in strittigen Dingen immer automatisch dem Lehrer Recht gegeben. Das war damals der gesellschaftliche Standard. Erst später haben sich Eltern dann gewisse Rechte erkämpft. Die Lehrer können heute nicht alles machen, was sie wollen, und das ist auch richtig so. Aber nun gibt es eben Auswüchse in die andere Richtung. 

ZEIT ONLINE: Der Film ist in Dresden angesiedelt und auf dem Elternabend kochen auch die Ost-West-Konflikte hoch. Ist das 25 Jahre nach Mauerfall noch aktuell?

Wortmann: Da ich ja selbst in Nordrhein-Westfalen lebe, kann ich da nur aus zweiter Hand berichten. Aber Lutz Hübner, der das Theaterstück Frau Müller ist weg und das Drehbuch zum Film verfasst hat, sagt aus eigener Erfahrung, dass das nach wie vor ein wichtiges Thema ist. Und man hat das ja auch jetzt bei der Landtagswahl in Thüringen gemerkt, als mit Bodo Ramelow ein Ministerpräsident der Linken gewählt wurde, der ja interessanterweise auch noch aus dem Westen kommt. Was da wieder an Vorurteilen und Hass hoch kam – das war schon erstaunlich. 

ZEIT ONLINE: Sie haben das Theaterstück schon am Berliner Grips-Theater inszeniert. Wie haben Eltern, Lehrer und Schüler darauf reagiert?

Wortmann: Eltern und Lehrer haben oft gemeinsam die Aufführungen besucht, weil sie durch das Stück neu ins Gespräch kommen wollten. Da sind verhärtete Fronten aufgebrochen und man hat wieder mehr Verständnis füreinander entwickelt. Aber auch jugendliche Schüler sind neugierig geworden. Elternabenden haftet ja ein gewisser Mythos an. Die Schüler wissen nicht genau, was da verhandelt wird. Da hat das Stück den Jugendlichen eine Schlüssellochperspektive geboten und die fanden das natürlich ganz hinreißend, wie sich die Eltern zum Affen machen.