Ein Fremder im eigenen Haus, ein Unbekannter, der Drohnachrichten hinterlässt. Ein Stein, der ins Fenster geworfen wird. Wenn unser Zuhause nicht mehr sicher ist, ist das eine existenzielle Bedrohung. Es gibt viele Filme, die dieses Gefühl zwischen Klaustrophobie und Ausgeliefertsein thematisiert haben: Michael Haneke in Caché oder David Lynch in Lost Highway. In beiden Fällen werden Ehepaare Opfer eines unbekannten Beobachters. In beiden Fällen steht am Ende der Tod.

Eine ähnliche Geschichte hat nun Petra K. Wagner für den TV-Film Nie mehr wie immer konzipiert, der am Mittwochabend im Ersten läuft. Melanie und Walter Huber (Franziska Walser und Edgar Selge) leben in einer herrschaftlichen Villa am Rande eines kleinen Sees bei Frankfurt. Er arbeitet bei einer Versicherung, sie verkauft Glasbilder an eine Galerie. Dann steht plötzlich die Türe zu Walters Arbeitszimmer offen, in der Schublade liegt ein Zeitungsartikel: "Frau stirbt bei Wohnungsbrand." Kurz darauf hängt ein Zettel an einem Baum im Garten: "Brennen sollst du."

Es könnte nun der übliche Plot folgen von der wachsenden Bedrohung und der Frage, inwiefern einer der Ehepartner in den Rachefeldzug des Unbekannten verstrickt ist. Doch Wagner inszeniert dieses Drama geschickter. Schon bald stellt sich der Zuschauer die Frage, was schlimmer ist: die Bedrohung von außen oder der Horror, der sich innerhalb des Hauses abspielt.

Denn die Villa am See ist nicht nur Ruhepol und Rückzugsort, sondern auch Gefängnis. Melanie verlässt das Grundstück nicht, angeblich wegen einer starken Migräne. Ob es nicht vielmehr eine Angststörung ist, die sie ans Haus fesselt, wird nie ausgesprochen. Wie so vieles ungesagt bleibt zwischen den Ehepartnern, die so übertrieben umsichtig miteinander umgehen.

Luftküsschen und getrennte Schlafzimmer

Es ist gespenstisch, wie Edgar Selge und Franziska Walser – auch im wirklichen Leben verheiratet – dieses Paar mit seinen einstudierten Mechanismen von Abhängigkeit und Schuldgefühlen vorführen. Zum Abendessen wünschen sie sich wie Kinder gemeinsam "Guten Appetit". Vor dem Schlafengehen werfen sie sich Luftküsschen zu, bevor sie in getrennte Schlafzimmer entschwinden. Mit Kerzen und Gourmet-Essen vom Quality-delivered-food-Service versuchen sie, eine Romantik herbeizuzwingen, die es in ihrem Leben längst nicht mehr gibt.

Verbal fallen Walter und Melanie nie aus der Rolle. Nur in Nebensätzen merkt man, wie dünn die Hülle ist, die ihr Idyll zusammenhält. Wenn Walter sagt "Ich bemüh' mich doch so" oder Melanie: "Du brauchst keine Angst zu haben, ich bin ja da", haben diese Sätze einen bedrohlichen Beiklang.