"Was braucht es, um einen richtig geilen Film zu machen?" Das ist für einen jungen Filmemacher eine relevante Frage. Aron Lehmann beantwortet sie für sich so: "Man muss das Risiko eingehen, dass er richtig Scheiße werden könnte." Lehmann hat das riskiert und vor gut zwei Jahren seinen ersten Langfilm Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel mit Minimalbudget und Nachbarschaftshilfe aus seiner Heimat im Nördlinger Ries gedreht. Am Ende erhielt er dafür den Publikumspreis beim renommierten Max-Ophüls-Festival und ein paar Nachwuchs- und Förderpreise.

Lehmann zählt zu einer inzwischen gar nicht mehr so kleinen Gruppe junger deutscher Filmemacher, die versuchen, irgendwie ihr Ding und dabei gute Filme zu machen. German Mumblecore nennt sich ihre Bewegung, die sie nicht als Bewegung verstanden wissen wollen. Es ist ein aus den USA entlehnter Behelfsbegriff, der zwar seine Berechtigung hat und auch griffig genug ist, um Filmliebhabern eine Schublade zu öffnen. Aber im Grunde stehen diese Filmemacher vor allem für frisches, rotziges Kino.

Am Allerwichtigsten ist ihnen die Schauspielerführung. Ein guter Darsteller beschäftigt sich schließlich äußerst intensiv mit seiner Figur. Er bohrt so lange in ihr, bis er sie gänzlich versteht, verinnerlicht hat und spricht wie sie. Deshalb geben die Mumblecorer in aller Regel keine Dialoge vor. Die Darsteller improvisieren während des Drehs. Die Regiearbeit besteht darin, den Schauspieler möglichst präzise in die Idee und Vorstellung von dem Film und einer Szene einzuweihen, ohne ihm gleichzeitig zu viel zu verraten, und dann den Moment seiner echten Verblüffung, Überraschung oder welcher Emotion auch immer einzufangen.

Gemurmel statt Nachsynchronisation

"Ich liebe Schauspieler!", sagt Axel Ranisch, ein weiterer Mumblecorer, der unter anderem Dicke Mädchen und Ich fühl mich Disco gedreht hat. Er arbeitet deswegen gern immer wieder mit denselben Darstellern. Wenn sie wissen, was er will, entsteht etwas, das Ranisch als "Energie" bezeichnet und das man auch als Zuschauer später im Kino spüren kann.

Diese Konzentration auf den Moment, die Mumblecore-Filme auszeichnet, führt andererseits zu Beschränkungen auf technischer Seite. Licht und Ton sind natürlich, Nachsynchronisationen tabu. So kam das Genre ursprünglich auch zu seinen Namen: Weil die Tonqualität unter dem Freispiel vor der Kamera zwangsläufig leidet und sich die Darsteller tatsächlich manchmal gegenseitig ins Wort fallen oder gleichzeitig reden, sagte ein amerikanischer Toningenieur einst scherzhaft, von den Darstellern wäre ja kaum mehr als "Gemurmel" zu verstehen.

Um am Set nicht lange auf die Technik warten zu müssen, beschränken sich die Filmer darüber hinaus oft auf nur eine Brennweite, sie verwenden Zooms. Das ist unter klassischen Filmemachern eigentlich verpönt, weil ein Zoom nicht dem menschlichen Blick entspricht. Und wenn die Mumblecorer eben nur mit einer Kamera gefilmt haben, sieht der Zuschauer im fertigen Film Jump Cuts, Schnitte innerhalb derselben Einstellung.