Bennett Millers Foxcatcher, Ramin Bahranis Um jeden Preis, Dan Gilroys Nightcrawler und eben Chandors A most Violent Year eint ein Unbehagen an der US-amerikanischen Auslegung des kapitalistischen Systems. Ihre Filme leisten keine Kritik im Sinne politischer Stellungnahme; aber sie erzählen von seiner Brutalität und von seinen Verheerungen in den Seelen der Protagonisten. Sie alle sind Werke von Autorenfilmern, Regisseuren also, die ihre Drehbücher selbst schreiben und ihre Stoffe ganz durchdringen. Es sind Meditationen über den Zustand der USA, in denen das Politische in starken Narrativen aufgelöst wurde. Und sie begeistern mit einer jeweils persönlichen filmischen Sprache.

Auch A Most Violent Year überrascht mit stilistischem Mut und selbstbewusster Eleganz. Szenenbild und Kostüme vermitteln die Zeit der frühen Achtziger unaufdringlich, eher nebenbei. Immer wieder mal ragen die Twin Towers ins Bild, meist aber am Rand. Dazu entzieht J.C. Chandor seinem Film das Tempo. Das Geschehen entfaltet sich langsam, fast hypnotisch. Eine Verfolgungsjagd gerät in einem staubigen Tunnel zum Blindflug. Doch trotz seiner Langsamkeit vibriert der Film. Chandor zieht die Spannung nach innen und lässt die Bilder wie von einem unsichtbaren Druck zittern. Eines Nachts lauert vor Abels Beton-Villa ein bewaffneter Mann. Abel verfolgt ihn, aber er entkommt unerkannt. Die Bedrohung ist immer da. Wenn sie Dir nicht an die Kehle springt, kriecht sie unter Deine Haut.