Man kann es sich jetzt natürlich leicht machen. Karl Moik war der Zeremonienmeister reaktionärer Massenbespaßung, eine Art Frohsinn gewordener Kulturkonservatismus in Lied- wie Versform. Karl Moik war somit Volksmusik. Volksmusik war Karl Moik, aus feuilletonistischer, ach: nur einigermaßen aufgeklärter Sicht also eine furchtbare Melange des Ewiggestrigen, Geschmacklosen. 

Man kann es sich allerdings auch ein bisschen schwerer machen. Dann blickt man zurück auf diesen Alpenschlager-Moderator der ersten Stunde und erkennt in ihm weit mehr als nur die populäre Antithese zur schreienden Popmoderne da draußen. Karl Moik war eine Antwort, mehr ein Flehen, vielleicht gar so etwas wie ein Hilfeschrei. 

Man muss sich nur die Ära, in der die Linzer Stimmungskanone erstmals aus dem österreichischen Staatsfunk aufs deutsche Publikum schoss, kurz vor Augen halten. Wir schrieben das Jahr 1981: Reagan-Zeit, Schmidt-Zeit, Thatcher-Zeit, noch nicht wirklich Kohl-Zeit. Dazu Brokdorf-Zeit, Ölkrisen-Zeit, Terror-Zeit, Nato-Doppelbeschluss-Zeit. Und natürlich NDW-Zeit, MTV-Zeit, Dallas-Zeit, bald darauf kam Denver. Es war eine Zeit, in der nichts mehr war, wie es mal war, selbst hoch droben nicht in Moiks geliebten Bergen. Es gab keine Gewohnheiten, keine Gewissheiten, schon gar keine Werte. Selbst auf heile Alpenalmen regnete es sauer von Gottes Himmel und ob es nicht bald SS-20-Raketen regnen würde – wer wusste das schon.

Wo die Madln no fesch san und die Burschn pfundig

Da wuchs auch vorm Röhrenbildschirm die Sehnsucht nach Bestandsschutz dessen, was längst keinen Bestand mehr hatte, aber am Horizont wärmer leuchtete als die aseptischen Achtziger ohne Paartanz, aber mit viel Plaste und Elaste. Es wuchs die Sehnsucht nach Männern wie dem Moik Karl, nach fröhlichen Pfundskerlen vom Land, die im dunkelblauen Messingknopfzweireiher, besser noch im förstergrünen Janker die Weise von den Tälern und Gipfeln anstimmten, wo die Madln no fesch san und die Burschn pfundig. In denen das Vergangene ein festes Standbein im Almengras hat und der Ernst des Lebens Pause. In denen das Leben noch einfacher ist und das Einfache einfach schön.

"Musik woll'n wir bringen, für jung und für – Halt!", dichtete er 1981 lachend zur Begrüßung seiner Fernsehpremiere: "In den nächsten 90 Minuten, vergesst das Wort alt / Wir wollen beweisen, mit Schwung und mit Scherz / dass jugendlich bleibt nur ein fröhliches Herz". So klangen nicht nur die holprigen Reime aus dem Magen eines Überzeugungstäters, dessen Volkstümliche Hitparade bereits im österreichischen Radio Furore machte. Es waren die ersten Worte im Musikantenstadl. Und es hilft, den Titel von Moiks Vermächtnis auch etymologisch zu betrachten, um seinen Erfinder zu verstehen.