Im Wiener Tatort mit der bärenstarken Adele Neuhauser als bärenstärkste Kommissarin Bibi spielen Frauen bekanntlich besonders starke Rollen. Das nährte nicht nur beim weiblichen Publikum die Hoffnung, am Weltfrauentag würde es feministisch zugehen.

Die Antwort: Durchaus. Es spielen 1. mindestens zwei Frauen mit, die sich 2. miteinander unterhalten und zwar 3. über was anderes als einen Mann. Über den Fall nämlich. Einer, der in dieser Tatort-Region gern das große, grenzübergreifende Rad dreht. Über alle Schlagbäume hinweg wurden hier zuletzt Menschen gehandelt und Drogen geschmuggelt, Atomwaffen verschoben, gar Stellvertreterkriege geführt. Da wird schon mal in fremden Sprachen gesprochen.

Dem Wahrheitsgehalt des realen Falls um österreichische Spitzel, die reihenweise tschechoslowakische Flüchtlinge ans Messer lieferten und dafür fast 50 Jahre später zur Rechenschaft gezogen werden, ist das äußerst zuträglich. Würden die Kommissare Eisner/Fellner im ZDF ermitteln, sprächen alle Tschechen in den Nebenrollen gewiss akzentfreies Deutsch.

Fehlende Synchronisation bleibt indes der kosmopolitischste Faktor dieser Episode. Ansonsten wird ohne Erkenntnisgewinn fürs Publikum so provinziell ermittelt, dass das schöne Thayatal zu vertrocknen droht.

Als solle dies die Staubigkeit ermittelnder Basisarbeit verdeutlichen, wird unablässig gegraben. Grenzfall ist nämlich eher ein Archäologen- als ein Polizei-Tatort, was ihm eine unvergleichliche Note verleiht.

Dabei erfährt man putzige Sachen übers Metier frühmöglicher Ahnenforschung. Etwa, dass es einen Unterschied gibt zwischen organischen und anorganischen Funden. Oder dass Projektile in einer prähistorischen Ausgrabungsstätte definitiv eher Arte- als Biofakte sind, gerade, wenn sie erst ein paar Tausend Jahre später in die Grube geraten sind.

Und dass die Freakdichte im Kosmos österreichischer Typenüberzeichnung auch im Hörsaal gilt.

Und nicht zuletzt, dass Bibi und Moritz Namen bekannter Kinderbücher tragen.

Vor allem aber, dass in den zwei ermittelnden Grantlern offenbar doch echte Gefühle jenseits von Zynismus und Arroganz schlummern – vielleicht ja sogar füreinander!

Aber solche Nebenkriegsschauplätze sind auch nötig in einem Tatort, der nach aberwitzigen Experimenten mit den Herren Tukur und Król nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch in die Zeit des Kalten Krieges zurücksteuert.

Zeiten, in denen die Unterscheidbarkeit von Gut und Böse nur wenig Mühe bereiten durfte.

Im nächsten Fall geht's dann bestimmt wieder um die Weltherrschaft. Mindestens.