Männer sind doch schlichte Gemüter. Gebt ihnen Fußball, Bier und Pferdestärken, dazu zwei Stück Fleisch (eins durchgebraten, eins im Bikini), schon sind viele von ihnen, nun ja: zufrieden.

Selbst Steffen Wink, mit Adlerblick und Waschbrettbauch ein echtes Prachtexemplar, macht es ein wenig ratlos, wie leicht sich seine Geschlechtsgenossen, zumindest kulinarisch, beeindrucken lassen: "Vielleicht steckt der Jäger noch in uns", sinniert der Moderator, "oder wir glauben, unsere großen Körper brauchen mehr Eisen." Achselzucken, Lächeln, "keine Ahnung". Aber dass Männer in Zeiten, in denen sogar Tierfabriken wie Rügenwalder vegane Wurst pökeln, dauernd auf Höhlenmenschen reduziert werden, sei doch konstruiert: "Wir müssen ja nicht mehr in den Wald, um uns ein Wild zu erlegen."

Oder doch? Wer Steffen Winks TV-Magazin Beef! sieht, könnte womöglich kurz stutzen. Schon der Pilotfilm hat vor knapp einem Jahr Männer als einfach gestrickte Opfer archaischer Gelüste dargestellt: Grill an, Schwein drauf, Pils dazu, glücklich. Die Botschaft: Den vegetarischen Kostverächtern zeigen wir's, aber mal gründlich!

Und so geht es nun in Serie weiter. Im Trailer raunt es aus dem Off: "Er behandelt das Fleisch wie eine junge Braut – ganz sanft", während der Bräutigam seine Hand zweimal fröhlich auf 100 Pfund zukünftiges Kotelett klatschen lässt. Haue für den Frauenersatz aus Muskelfasern. Doch wenn Beef! ab 14. Mai auf RTL Nitro im Rahmen eines achtstündigen "Grilltags" fast alles zu Tisch bringt, was die Normküche auf vier Beinen bereit hält, geht es alles andere als steinzeitlich zu. Im Gegenteil.

Das gedruckte Beef!-Magazin ist ja trotz 81 Prozent Männeranteil in der Kundschaft alles andere als ein brachiales Macker-Magazin. Für saftige zehn Euro Einzelpreis bietet Gruner + Jahr darin seit 2009 alle vier Monate, was heutzutage gern "Food Porn" genannt wird: kreative Küche für kluge Köpfe mit gehobenem Einkommen in gediegener Darstellung. Essen wird darin selten als reine Sättigungsbeilage dargestellt, eher wie moderne Kunst: edel arrangiert und grobkörnig fotografiert, als atme das Papier den Duft von Kobe-Rind mit Rosmarin oder Saltimbocca alla romana.

Auf dem Bildschirm ist Beef! nun ein Paradebeispiel ästhetischer Bewusstseinsveränderung. So gestrig Nutzviehkonsum im Jahr 2015 einigen auch erscheinen mag: Steffen Wink tischt das Gegenteil von vulgärer Kantinenkost auf. Wie bei ihm daheim seien aseptische Supermarktkadaver aus Massenproduktion "absolut tabu". Die luxuriöse bis bodenständige Zubereitung exotischer bis rustikaler Rezepte wird bei allem Männlichkeitskult so inszeniert, dass ihr oft ein anderer Geist innewohnt, als möglichst viel Fleisch für möglichst wenig Geld zu verputzen. Der Redaktion, das zeigt die aktuelle Druckversion zum Thema "Lamm" ebenso wie ein Sonderheft namens "Selber Wursten", gehe es um "Qualität statt Quantität". Weniger ist also mehr, irgendwie nachhaltig, gegebenenfalls biologisch-dynamisch.

Vor allem aber geht es um Quote. Beef! versorgt ja eine Zielgruppe fröhlicher Hedonisten mit leicht gehobenem Geschmack, die sich den üppigen Kiosk-Preis nicht leisten können (oder wollen) und mit der Bevormundung durch grüne Besseresser so ihre Probleme haben. Deshalb verströmen Papier und Flatscreen neben dem Aroma elegant drapierter Kräuterzweige auf marmoriertem Iberico-Schwein auch das Gefühl, einer aussterbenden Spezies die letzten Jahre des Genusses zu versüßen. Gewohnheitsmäßige Tierverbraucher – rufen Ökotrophologen, Sozialwissenschaftler, Philosophen im Chor – werden ja in absehbarer Zeit die PS-Narren, Raucher, Atomkraftfans von heute sein: Egoisten fernab des Zeitgeistes.

Ihnen empfiehlt ein Steffen Wink, ihr atmendes, lebendes, fühlendes Essen mal eigenhändig zu erlegen oder wenigstens einer leibhaftigen Schlachtung beizuwohnen: "Wer diese Realität nicht aushält, sollte auf Fleisch verzichten." Nur wer wie er schon mal Kängurus gejagt und Hausschlachtungen gesehen hat, mache sich bewusst, "dass da ein Tier für uns stirbt". Und das verdiene Respekt. Einen Respekt, den das Männer-Magazin Beef! bei aller Genusssucht durchaus vermitteln möchte.

"Beef!", RTL Nitro, Donnerstag, 14. Mai, 19.50 Uhr, danach freitags um 22.20 Uhr