Schon 1998 wollte der australische Regisseur George Miller seinen drei Mad-Max-Filmen eine weitere Fortsetzung folgen lassen. Aber das Projekt verblieb in Hollywoods berüchtigter development hell, während Mel Gibson, der ursprüngliche Mad Max, immer älter wurde und sich durch diverse Dummheiten diskreditierte.

Mal sollte der Stoff ein Animationsfilm mit begleitendem Videospiel werden, dann wieder war er als 3-D-Spektakel geplant. Jetzt findet der Film tatsächlich noch seinen Weg in die Kinos. Nicht animiert, nicht in 3-D, sondern mit möglichst handgemachten Stunts, gigantischem Aufwand und jungem Hauptdarsteller in der Wüste Namibias gedreht. Und wozu das alles? Damit sich der Zuschauer nach der Vorführung fühlt, als sei er von einem 18-Tonner überrollt worden. So zumindest das unmittelbare Gefühl, nachdem man aus dem Kinosaal taumelt.

Natürlich dreht sich in Mad Max: Fury Road wieder alles um Männer und Autos. Oder was man Autos nennt in der dystopischen Zukunft, in der die Geschichte spielt. Und, ach ja: Frauen sind diesmal nicht nur Opfer. Um ihren Ausbruch aus den Klauen eines Warlords mit Hautproblemen und Totenkopfmaske dreht sich die Geschichte – sofern man die dramaturgische Klammer so nennen will, die das Donnern und Dröhnen, das Explodieren und Bersten, das Quietschen, Schrammen, Schreddern und Schleifen auf der Leinwand notdürftig zusammenhält.

Film mit der besten Umsatzrendite

Irgendwann in der Zukunft, in der die zivilisierte Gesellschaft nur noch eine entfernte Erinnerung ist und die Menschen in der Wüste vegetieren, gerät ein Mann namens Max (Tom Hardy) in die Gefangenschaft eines quasi-faschistischen Stammes, der einem archaischen Kult huldigt. Dessen Anführer Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) herrscht über die Wasserressourcen, hat aus den meisten seiner Untergebenen Sklaven gemacht und hält Frauen als Gebärmaschinen. Die Kämpferin Furiosa (Charlize Theron) will ihm mit fünf weiteren Frauen und einem zum Kampfgefährt hochgerüsteten Laster entkommen, wird aber alsbald von Immortan Joe und seinem Heer auf ihren diversen PS-Monstern quer durch die Wüste verfolgt. Bei den ausbrechenden Kämpfen gerät Max auf die Seite der Frauen, denen er widerwillig beiseite steht.

Mit dem ersten Film der Serie von 1979 hat das Getümmel im Wüstensand nur noch wenig zu tun. Überhaupt ist erstaunlich, wie aus einem Low-Budget-Thriller, der für rund 400.000 Dollar im für die damalige Filmwelt weit entfernten Australien entstand, ein derart stilprägendes Franchise werden konnte. Zwar spielte der Film weltweit über 100 Millionen Dollar ein und hielt lange Zeit den Titel für den Film mit der besten Umsatzrendite.

In den USA aber, dem entscheidenden Film-Territorium, ging Mad Max, der damals wegen des starken australischen Dialekts seiner Schauspieler neu synchronisiert worden war, sang- und klanglos unter. Der Nachfolger von 1981 startete dort unter dem Titel The Road Warrior, weil der Verleih davon ausging, dass die Amerikaner mit dem Originaltitel Mad Max 2 nichts anfangen konnten.