Es gibt Angela Merkel, es gibt ein Dutzend Frauen mit Einfluss im Medienbetrieb und es gibt 15 Frauen an der Spitze von 20 Tatort-Dezernaten. Aber, so klagt ein strombergbärtiger Politiker im Einsatz der Ludwigshafener Hauptkommissarin Lena Odenthal, dass nur vier Prozent Frauen unter denen seien, die in den Chefetagen der 200 umsatzstärksten Unternehmen arbeiteten – das spreche nun wirklich dafür, dass der Staat handeln muss.

Odenthals 62. Fall, das wird nach dem Todessturz eines Zimmermädchens klar, handelt weniger vom Mord im Schlosshotel als vom politischen Megathema Quote. Mit ihr will der vermeintlich emanzipierte EU-Kommissar seine Vergangenheit als sexuell übergriffiger Landesvater kompensieren – bis er Teil einer Intrige mächtiger Quotengegner wird.

Das erinnert nicht zufällig an den früheren IWF-Chef, der seine Kandidatur zur französischen Präsidentschaftswahl 2011 wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs im Luxushotel begraben musste.

Odenthal und Kopper mitsamt der jungen LKA-Kollegin Stern ermitteln also nicht in einem gewöhnlichen Fall, sondern es geht um die Verschwörung männlicher Besitzstandswahrer gegen konkurrierende Damen, die hier in vier Varianten auftauchen: resolute Powerfrau im femininen Businesslook, ausgebrannte Powerfrau im burschikosen Straßenlook, junge Powerfrau im lässigen Casualhipsterlook und Putzfrau im servilen Hotelhilfenlook mit merkwürdiger Herkunft.

Und damit auch jeder begreift, wie wichtig ihrer aller Ringen um Gleichberechtigung ist, haben sie es mit wahren Prachtexemplaren von Männern mit tradiertem Rollenverständnis zu tun. Da wäre ein snobistischer Hotelchef, der seine Dienstbotinnen antreibt wie ein Bauer sein Vieh.

Ein machtgieriger Firmenboss, der sich gleichberechtigte Frauen an seiner Seite mit allen Mitteln vom Leib hält.

Ein alternder Schwerenöter, der sich sein gutes Gewissen mit vorgeschobener Emanzipiertheit und dreckigem Geld erkauft.

Und mittendrin ein Journalist aus der Mottenkiste fiktionaler Gossenreporter, die es heutzutage allenfalls noch in Comics und der Bild-Zeitung gibt.

Die acht lassen die in anderen Filmen gern gewählte Melodramatik der psychisch labilen Kommissarin Lena O. mal wieder in den Hintergrund rücken – auch wenn sie ein biestiges Kompetenzgerangel mit ihrer Nebenbuhlerin austrägt.

Dennoch ist Roomservice eine der besseren Folgen aus der Pfalz, was auffällt, ist die paritätische Besetzung der handelnden Figuren: Quote erfüllt – was mancher Mann darin schmerzhaft zu spüren kriegt.