Schwärzer als The Lobster kann ein Liebesfilm nicht sein. Yorgos Lanthimos entwirft darin eine nahe Zukunft, in der die Menschen gezwungen werden, als Paare zusammenzuleben. Findet sich jemand ohne Partner wieder, wird er in ein abgelegenes Hotel gebracht, wo er 45 Tage Zeit bekommt, einen neuen Seelenverwandten zu finden. Wer scheitert, wird in ein Tier seiner Wahl verwandelt. 

David (Colin Farrell), frisch von seiner Frau verlassen, entscheidet sich beim Check-In für den Lobster, einen Hummer. "Die werden hundert Jahre alt und bleiben bis zum Ende fruchtbar", hat er sich überlegt. Eine gute Wahl, befindet die Hoteldirektorin, "die Welt ist voll von Hunden". Dann erklärt sie David die Regeln seines Aufenthalts: Zunächst wird ihm seine rechte Hand auf den Rücken gebunden, damit er den Wert von Zweisamkeit neu zu schätzen lernt. Paarsportarten wie Tennis oder Federball sind Tabu, Golfen oder Schwimmen hingegen okay. Masturbieren ist verboten. Dafür wird ein Zimmermädchen mit ihm jeden Morgen seine Erektionstüchtigkeit trainieren.

Und die Betäubungsmunition auf dem kleinen Beistelltischchen ist für die allabendlichen Jagdausflüge gedacht. Dann schwärmen alle Hotelbewohner in den Wald aus, um ehemalige Gäste einzufangen, die die Flucht ergriffen haben. Für jeden Zurückgebrachten gibt es einen Bonus-Tag.

Maximaler Hotelrealismus

Dieses Hotel ist ein Liebesgefängnis, ein Straflager für Singles. Ein Ort, in dem der griechische Filmemacher Lanthimos unser Konzept von Liebe und Partnerschaft auf die Spitze treibt. Verstörend wirkt das Ganze deshalb, weil er es in maximalem Realismus darstellt – vom Frühstücksservice bis zum Tanztee. Das Personal benimmt sich wie in jedem gehobenen Mittelklassehotel. Nur füllt es hier statt Seifenspender Betäubungspatronen nach.

Lanthimos gehört zu jener hochgelobten Gruppe griechischer Filmemacher, die uns Zuschauer seit ein paar Jahren mit Geschichten überraschen, deren Entstehen man in dem krisengeschüttelten Land kaum für möglich gehalten hätte. Oder gerade doch, denn es scheint die banale Regel zu gelten, dass Not erfinderisch macht, gesellschaftlicher Zerfall kreativ. Jedenfalls drehten Regisseure wie Babis Makridis (L, 2011), seine Kollegin Athina Rachel Tsangari mit Attenberg (2010) oder zuletzt Syllas Tzoumerkas mit A Blast Filme, die immer wieder ins Groteske spielen oder ins Radikale. Ohne jeden Zynismus, aber mit messerscharfem Humor. Lanthimos' eigener Film Dogtooth gewann 2009 in Cannes die Nebenreihe Un Certain Regard. Damals war es unsere Vorstellung von Elternliebe, die er ins Absurde geschubst hatte.