17 Sätze in knapp zwei Stunden. Das war sein ganzer Dialog als Titelheld 1984 im ersten Terminator. Selbst Fans machten sich über seinen starken steirischen Dialekt lustig. Danach wurde er erst Weltstar, dann Gouverneur von Kalifornien. Heute hält Arnold Schwarzenegger ganz selbstverständlich im Hotelzimmer eine Videokonferenz mit dem indischen Premierminister Narendra Modi ab. Das erzählt sein Hollywood-Kollege Jason Clarke, der wie Schwarzenegger im Hotel Adlon in Berlin abgestiegen ist, um für den fünften Terminator-Film zu trommeln. Clarke sagt auch: "Arnie is a legend". Sagt ja jeder. Arnold Schwarzenegger: Legende. So als sei das jetzt seine Berufsbezeichnung, nachdem er kein Politiker mehr ist und sich wieder im Entertainment versucht.  

Wird ihn also eine Gloriole umgeben, wenn er gleich den holzgetäfelten Konferenzraum betritt, um zehn Journalisten eine 20-minütige Audienz zu gewähren? Nein. Der Mann, der da durch die Tür kommt, kaut. Die markante Kieferlinie zermalmt Reste eines Frühstücks. Auch mit 67 Jahren macht Schwarzenegger nicht langsamer. Immer unter Strom, nie Zeit. Nicht mal für das sicher beeindruckende Frühstücksbuffet des Adlon. Dann dieser typische Effekt, der fast immer eintritt, wenn man Filmstars im echten Leben trifft: Der wirkt ja viel kleiner als auf der Leinwand! Selbst Arnold Schwarzenegger, trotz seiner 1,88 Meter. Ansonsten: perfekt frisierte Haare, manikürte Hände. Baumwollene Khaki-Hose, dunkelgraues Sakko, hellblaues Hemd mit offenem Kragen. Unauffällige Eleganz wie bei einem Staatsmann auf Urlaub. Protziger die Accessoires: goldene Gürtelschnalle, silberner Klunker am linken Ringfinger, Edelstahluhr so groß wie die Gewichtsscheibe einer Langhantel.  

Schwarzenegger ist kein Schauspieler im eigentlichen Sinn, sondern ein begnadeter Selbstdarsteller. Auch in den 20 Minuten im Hotel Adlon. Überwiegend spricht er über sein Lieblingsthema: sich selbst. Über seine erste Million, die er mit Kollegen im Kraftraum feierte. Seine vier Hummer-Geländewagen. Dass er zwar Interviews nur noch auf Englisch gibt, aber immer noch auf Deutsch rechnet: "Ich bin sehr gut in Mathematik, das war meinen Eltern wichtig. Als Gouverneur hatte ich bei den Budgetplanungen immer alle Zahlen genau im Kopf und bemerkte als Erster, wenn sich Mitarbeiter verrechneten."

Um das Terminator-Franchise und seine Filmkarriere geht es an diesem Vormittag nur am Rande. Fiel es ihm schwer, nach den Jahren in der Politik wieder in Hollywood Fuß zu fassen? "Nein", sagt er. "Mir kam es so vor, als sei nur ein Jahr vergangen. Ich musste ja nicht wieder von vorn anfangen. Die Frage ist natürlich, ob das Publikum mich wieder akzeptiert." Das ist tatsächlich die Frage. Legende wird man wegen Leistungen in der Vergangenheit, nicht der Gegenwart. Bisher hat Schwarzenegger seinen Neustart in Hollywood verstolpert: The Last Stand, Escape Plan und Sabotage waren unterdurchschnittliche Thriller-Konfektionsware, die an Schwarzeneggers 80er-Jahre-B-Movies wie Der City-Hai erinnerten. Schlimmer noch: Die Filme scheiterten an der Kinokasse. Die Rückkehr als Terminator scheint der sicherste Weg, an alte Erfolge anzuknüpfen. Auch wenn Schwarzenegger betont, dass es nach wie vor die Herausforderung ist, die ihn wirklich reizt: "Wenn man den Berg hinaufsteigt, hat man was zu tun; ist man oben, kann man nur noch runterschauen."

Er sagt, wegen dieser Lust am Wettbewerb seien die USA seine Wahlheimat geworden: "Hätte ich klassischer Musiker werden wollen, wäre ich wohl besser in Österreich geblieben." Schwarzeneggers Glaube an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist ungebrochen: "Wenn Du bereit bist, hart zu arbeiten, dann kannst Du Deine Ziele dort erreichen. Es gibt in den USA kaum Neid. Im Gegenteil, der Reichtum der einen spornt andere an, es ihnen gleichzutun." Sieht er sich selbst als den personifizierten amerikanischen Traum? Keine Sekunde zögert er: "Ohne Zweifel ja!"