Am Anfang war ein Sound. Ein dumpfes Donnern, das den Rückspiegel und das Wasser in zwei Plastikbechern erzittern lässt. Das Geräusch hat Filmgeschichte geschrieben, inklusive der anschließenden Dramaturgie, die einer ganzen Generation von Kinogängern wohlige Angstlust bereitete: Für einen Augenblick herrscht Stille, dann schiebt sich ein schwerer Kopf ins Bild, der mächtige Kiefer öffnet sich und mit einer Millisekunde Verspätung ertönt ein tiefes, ohrenbetäubendes Brüllen, das das gesamte Spektrum des THX-Sounds auslotet.

Natürlich gibt es diese ikonische Szene auch wieder in Jurassic World, mit dem Steven Spielberg, diesmal als ausführender Produzent, sein Dino-Franchise 22 Jahre nach dem ersten Brüller reaktiviert. Wenn in Jurassic World der Indominus Rex erstmals seine, genauer: ihre (der Super-Dino ist ein Mädchen!) rasierklingenscharfen Beißerchen freilegt, versinkt die Generation 30plus, die noch mit T-Rex-Sammelfiguren und Jurassic-Park-Happy-Meals aufgewachsen ist, in nostalgische Erinnerungen. Dahinter steckt natürlich hartes Kalkül, denn Spielberg wollte diesmal sichergehen, dass seine schöne Marke nicht noch einmal durch ein inkompetentes Sequel-Team beschädigt wird.

Anfang der 1990er Jahre war Jurassic Park bahnbrechend, was das Merchandising betrifft, und ungleich cleverer als Michael Crichtons Romanvorlage mit seiner populistischen Biotech-Paranoia. Spielbergs Filmlogo war damals auf T-Shirts, Baseball-Caps und Kaffeetassen allgegenwärtig, und ums Branding geht es auch in Jurassic World. Allerdings sind die Strategien heute weniger offensichtlich. Sie schleichen sich ein in Form von wohlfeiler Ironie und Zitaten, denn man muss sich ja tatsächlich fragen, was in der Ära von Superhelden und interstellaren Wurmlochreisen noch die Attraktivität eines Dinosaurier-Parks ausmacht. Der Regisseur Colin Trevorrow, der bisher nur durch die konventionell charmante Indie-Zeitreisen-Romanze Safety Not Guaranteed aufgefallen war, setzt also auf den altmodischen Themenpark-Charme des Originals – ein Konzept, das mit dem teuren Flop A World Beyond gerade erst auf eine harte Probe gestellt wurde.

Das kindliche Staunen, das der Anblick von Dinosaurierherden und träge in der Landschaft herumstehenden Brontosauriern vor zwanzig Jahren auslöste, ist natürlich nicht einfach so zu konservieren wie prähistorische DNA in einem Bernstein. Das Blockbusterkino hat im Zeitalter von CGI an Zauber eingebüßt. Das Defizit ist auch den Betreibern von Jurassic World, einer Art prähistorischem Las Vegas, nicht entgangen. In ihren Genlaboren, unter Leitung von Dr. Henry Wu (BD Wong), dem letzten Verbliebenen aus Spielbergs Originalbesetzung, lassen sie unermüdlich an immer – wie der milliardenschwere Parkbesitzer Masrani (Irrfan Khan) fordert – "cooleren", genetisch optimierten Dinos arbeiten. "Größer! Lauter! Mehr Zähne!" Was natürlich fast schon wieder eine Spur zu kokett ist für ein Tentpole-Movie, das gar keine andere Wahl hat, als sich der Eskalierungslogik des Sommer-Blockbusters zu beugen.

So ringt Trevorrow ständig, mitunter etwas sehr bemüht, um eine Balance zwischen Spektakel (Hai-Mosasaurus! T-Rex/Raptor-Hybrid Indominus Rex!) und Persiflage. Da trägt dann ein Techniker ein Vintage-Jurassic-Park-Shirt ("150 Euro auf eBay!") oder kehrt der Film noch einmal in die zugewucherte Kantine aus dem ersten Film zurück, dem Schauplatz von Spielbergs bis heute bester Suspense-Sequenz.