Sie isst die Spaghetti mit den Händen aus dem Sieb, während sie zusammengeknautscht auf ihrem Sofa schmutzige SMS verschickt; sie organisiert einen Gangbang, um zu "beweisen, dass Frauen keine Objekte sind", und torpediert die Fetischisierung weiblicher Hinterteile, indem sie anmerkt, dass dies eben auch jener Ort ist, "wo die Kacke rauskommt".

Amy Schumer sagt, was sie denkt. Zum Beispiel im vergangenen Jahr: "Ich bin eine Frau mit Gedanken. Ich sage, ob ich schön bin. Ich sage, ob ich stark bin." Damit und mit ihrer TV-Show Inside Amy Schumer avancierte sie in den USA zu einem feministischen Leuchtfeuer. Aber das sagt vielleicht mehr über die Menschen, die nach einer Heldin rufen, als über die Heldin selbst. Amy Schumer, wo bist du so lange gewesen?

Sie war zwölf Jahre alt, als ihr Vater an Multipler Sklerose erkrankte und sein Unternehmen in Konkurs ging. Die Familie musste ihr komfortables Heim auf der New Yorker Upper East Side aufgeben und bald folgte die Scheidung der Eltern. Um durch diese schmerzlichen Phasen zu kommen, verließ sich Schumer auf ihre Gabe, andere zum Lachen zu bringen. Ein Jahrzehnt lang trat die studierte Schauspielerin in New Yorker Clubs als Stand-up-Comedienne auf. Die Aufmerksamkeit, die ihr dieser Tage zuteil wird, ist hart erarbeitet.

Im April, anlässlich ihrer Ehrung als eine der 100 einflussreichsten Personen durch das "Time"-Magazin, warf sich Amy Schumer bildwirksam vor die Füße von Kim Kardashian und Kanye West. © Getty Images

Dennoch sagt sie heute: "Es kam völlig unerwartet, dass ich in der öffentlichen Wahrnehmung zu einer feministischen Leitfigur geworden bin. Aber ich identifiziere mich voll und ganz mit meiner Rolle. Feministinnen sind bei mir in guten Händen." Das sind sie, denn Schumer nutzt jede Gelegenheit, um Stereotypen darüber, was Frauen wollen und was von ihnen erwartet wird, zu vereiteln. Sie ist herrlich versaut und politisch unkorrekt, ohne jemals in Machismen oder Moralpredigten abzurutschen.

In einem Sketch inszeniert sie sich vor dem "Gericht der öffentlichen Meinung" als Verteidigerin von Bill Cosby. "Erinnern wir uns daran, was hier auf dem Spiel steht", argumentiert sie gegenüber den Geschworenen. "Im Falle einer Verurteilung werden Sie das nächste Mal, wenn Sie sich eine Wiederholung der Bill Cosby Show ansehen, zusammenzucken. Vielleicht fühlen Sie ein wenig Schmerz. Keiner von uns hat das verdient!" Und dann schraubt sie final zwei Forderungen zu einer Groteske zusammen: "Wir verdienen es, so tanzen zu dürfen, als ob uns niemand dabei zusähe, – und eine Serie anzusehen, als ob niemand vergewaltigen würde."

Die erste Episode der dritten Staffel ihrer Show brachte gleich zwei virale Gassenhauer in den Umlauf. Zum einen Football Town Nights, Schumers Antwort auf die Vorfälle in Steubenville, wo Footballspieler unter dem Applaus Umstehender eine 16-Jährige vergewaltigt hatten. Schumer verpackt sie in einer brillanten Parodie des TV-Klassikers Friday Night Lights – Touchdown am Freitag, in der sich eine Stadt gegen ihren Highschool-Footballtrainer stellt, als der eine neue Regel für sein Team aufstellt: keine Vergewaltigung. "Aber Trainer! Was, wenn sie betrunken ist und einen gewissen Ruf hat?", protestiert ein Spieler. "Was, wenn das Mädchen ja gesagt hat, aber dann seine Meinung aus dem Nichts ändert?"

Im anderen Sketch läuft Schumer in ein feuchtfröhliches Picknick von Patricia Arquette, Tina Fey und Julia Louis-Dreyfus, die gerade ihren "Last Fuckable Day" feiern. Eine herrliche Anspielung darauf, dass die meisten Hollywoodschauspielerinnen irgendwann wegen ihres Alters ausgesondert werden und nur noch Rollen als sexuell nicht aktive Mütter angeboten bekommen, als hätten sie ein Verfallsdatum.