Wie kontrolliert dieser Mann ist! Kaum ein Satz, den er nicht mittendrin abbrechen und noch einmal von vorn beginnen würde, damit seine Gedanken ganz sicher korrekt formuliert sind. Noah Baumbach, der mit Wes Anderson zusammen das Drehbuch für dessen Film Die Tiefseetaucher (2004) geschrieben hat, bevor er 2005 mit Der Tintenfisch und der Wal seinen ersten eigenen großen Erfolg feierte, ist nach München gekommen. Hier präsentiert er seinen jüngsten Film, Gefühlt Mitte Zwanzig, der am 30. Juli anläuft. Der Humor darin ist nicht mehr ganz so schräg, es gibt sogar etliche Slapstick-Einlagen, aber wie in seinen früheren Filmen, zuletzt Frances Ha, beschreibt Baumbach treffsicher ein Lebensgefühl – diesmal das der urbanen Mittvierziger. Und weil Baumbach echter New Yorker ist, sehen manche in ihm den neuen Woody Allen.

ZEIT ONLINE: Mister Baumbach, in Ihrem Film Gefühlt Mitte Zwanzig lernt das kinderlose Mittvierziger-Paar Josh und Cornelia das sehr viel jüngere Paar Jamie und Darby kennen. Diese beiden Mittzwanziger sind so verdammt cool und entspannt und zuversichtlich, dass man sie umstandslos hassen kann, wenn man selbst schon so alt ist wie Josh und Cornelia. Und dann hasst man sich für dieses hässliche Gefühl. Daraus haben Sie eine Komödie gemacht. Was ist daran bitteschön lustig?

Noah Baumbach: Oh, ich dachte, dass sich die Gefühle, die man gegenüber der jüngeren Generation hegt, während des Films ändern könnten? Doch das hängt vermutlich von der Situation ab, in der man selbst steckt, wenn man den Film sieht.

ZEIT ONLINE: Das habe ich befürchtet.

Baumbach: Das muss man nicht zu persönlich nehmen. Es ist tatsächlich eine uralte Geschichte, dass Menschen in einem gewissen Alter zurückblicken und die Jüngeren heranrücken sehen. Ich fand es eher witzig, als ich die Gefühle, die Sie eben beschrieben haben, selbst hegte und mir darüber hinaus vorstellte, dass mich die Älteren womöglich selbst einmal so gesehen haben, als ich jung war und emporkam.

ZEIT ONLINE: Wie fühlte sich dieser Wandel vom vielversprechenden Talent zum etablierten Filmemacher an?

Baumbach: Jetzt, nachdem ich ein gewisses Alter erreicht und eine gewisse Menge Filme gedreht habe, treffe ich immer häufiger Menschen, die jünger sind als ich und meine ersten Filme auf so etwas Antiquiertem wie Videokassetten gesehen haben. Ich nehme schlicht zur Kenntnis, dass ich auf die jüngere Generation wie ein etablierter Filmemacher wirke.

ZEIT ONLINE: Im Film sagt Josh am Ende über die beiden Jüngeren: "Sie sind nicht böse. Sie sind nur jung." Ist die Angst, beruflich von Jüngeren überflügelt zu werden, tatsächlich so etwas wie eine bürgerliche Urangst?

Baumbach: Ich denke schon. Wobei es nicht nur die Angst ist, beruflich überflügelt zu werden, sondern auch die Angst vor der Entdeckung, selbst nicht mehr jung zu sein.

ZEIT ONLINE: Rührt die vielleicht daher, dass wir in einer so wettbewerbsorientierten Gesellschaft leben?

Baumbach: In der "jünger" sofort mit "besser" und "effektiver" assoziiert wird. Vor allem in Amerika eine interessante Obsession.