An diesem Film war einfach alles cool, neu, larger than life. Die irrsinnigen Hetzjagden von Androiden auf Menschen quer durch den Stadtdschungel von Los Angeles. Diese unfassbaren Morphing-Effekte, bei denen sich eine Masse, die tatsächlich wie flüssiges Metall aussah, in jede beliebige Form verwandeln konnte. Von der Tonspur des Guns-N’-Roses’ Hit You Could Be Mine. Arnold Schwarzenegger, der als T-800 vom Bösewicht zur ironischen Vaterfigur mutierte. Terminator 2 – Tag der Abrechnung war 1991 mehr als perfektes Popcorn-Kino. Der Film wurde Teil des popkulturellen Diskurses. Wer mitreden wollte, musste ihn gesehen haben.

Von einer solchen Signifikanz ist der nunmehr fünfte Aufguss von James Camerons 1984er-Original Welten entfernt. Die Verwertungslogik hat das Material zu einer Geldmaschine umgerüstet. Funktioniert ja, wie gerade der sagenhafte finanzielle Erfolg von Jurassic World zeigt, der Fortsetzung von Jurassic Park, eines weiteren Neunziger-Jahre-Klassikers. Auch Terminator: Genisys wird Geld einspielen, viel Geld. Relevanz aber oder gar Spaß und gute Unterhaltung stellt diese Maschine nicht her. Im Gegenteil, sich durch die endlosen uninspirierten Action-Sequenzen und die überflüssigen Dialoge zu kämpfen, mit denen die Figuren in Terminator: Genisys sich und dem Zuschauer zu erklären versuchen, wohin sie gerade rennen und worauf sie schießen, das ist harte, freudlose Arbeit.

Mit jedem Teil wird es schwieriger, die Übersicht über die verschiedenen Zeitebenen zu bewahren, die zentraler Bestandteil der Terminator-Mythologie sind. Diesmal beginnt die Geschichte im Jahr 2029, als sich die Menschheit in der entscheidenden Schlacht gegen die Kriegsmaschinen des Computersystems Skynet befindet. Dieser Prolog mündet in der Ausgangsposition der ersten Teils: Skynet schickt einen Terminator mittels Zeitmaschine ins Jahr 1984 zurück, um eine Frau namens Sarah Connor zu töten, bevor die mit ihrem Sohn John, künftiger Anführer des Widerstands, schwanger werden kann. Nur wird der Android diesmal von einer wohl vorbereiteten Sarah (die fehlbesetzte Emilia Clarke aus Game of Thrones) und einem merklich gealterten Terminator-Kollegen (Arnold Schwarzenegger) erwartet und aus dem Verkehr gezogen. Der ebenfalls aus dem Zeittunnel hechtende Kyle Reeves (Jai Courtney), eigentlich von John Connor (Jason Clarke) geschickt, um seine Mutter zu retten, ist ob dieser Umstände verständlicherweise verwirrt.

Dabei ist das erst der Anfang eines heillos verwickelten Zeit- und Plot-Knäuels. Seit Teil eins verschob sich der Zeitpunkt des "Judgement Day", jenes Tages, an dem die Maschinen ein Bewusstsein entwickeln und ihren Krieg gegen die Menschheit starten, von 1997 auf 2004 auf 2011. In Terminator: Genisys findet dieser Tag nun im Jahr 2017 statt, und es kommen diverse Komplikationen wie die Aufhebung des Zeitkontinuums und falsche – oder richtige? – Erinnerungen hinzu. Klingt kompliziert? Ist kompliziert.

Und gleichzeitig so flach. Solange der Film von Alan Taylor, der vorher viel Fernsehen und 2013 die Comic-Verfilmung Thor: The Dark World inszenierte, im Jahr 1984 spielt, wirkt er wie eine blasse Kopie. Klar, Taylor will darauf einstimmen, dass seine Version den dritten und vierten Terminator-Teil ignoriert und direkt an T2 anschließt. Schließlich ist mit Schwarzenegger der Star wieder an Bord und dieser Film soll ihm nach dessen Zeit als Gouverneur und vergeigten ersten Schauspiel-Projekten helfen, endlich wieder in Tritt zu kommen. Schwarzeneggers Spruch lautet nicht mehr "I’ll be back", sondern "Old, not obsolete". Ansonsten fällt dem Team nicht mehr ein, als in nahezu identischen Einstellungen die berühmte Verfolgungsjagd eines Flüssigmetall-Terminators auf die flüchtende Sarah nachzustellen, inklusive vormals ikonischer Morphing-Effekte.

Erst als die Figuren im Jahr 2017 ankommen, hat es kurz den Anschein, als könne die Geschichte sich doch noch mit der Gegenwart kurzschließen und nicht nur bestehenden Mythos zelebrieren: Sarah und Kyle werden als mutmaßliche Terroristen verhaftet, während Skynet sich als bahnbrechende App tarnt, um in wenigen Stunden in Milliarden Computersysteme einzudringen und das Ende der ahnungslosen Menschheit einzuläuten. Doch Anspielungen auf Datensicherheit und digitale Revolution sowie die durch 9/11 ausgelöste Psychose der USA bleiben vordergründig, während Taylor und Team ein routiniertes Blockbuster-Programm aus Tricks, Wumms und Action abspulen.