Wer Terrence Malicks letzten Film To the Wonder als nervenzerrende, prätentiöse Zumutung empfand und trotzdem, auch aus Respekt vor dem großen Regisseur, ohne einzuschlafen bis zum Ende durchhielt, den wird während der ersten Bilder seines neuen Werks Knight of Cups das mit Platzangst durchaus vergleichbare Gefühl beschleichen, der Zeitlupen-Alptraum gehe in Serie. Diesmal steht nicht Ben Affleck, sondern Christian Bale vor einer grandiosen Naturkulisse; es ist nicht die französische Felseninsel Mont Saint-Michel, sondern eine imposante Bergkette in den USA, aber der Ausdruck auf dem Gesicht der Schauspieler ist gleichermaßen entrückt, die Kamera wabert wieder wie ein mythischer Nebelfetzen, klassische Musik überzuckert das Ganze hie wie dort. Wieder will die Sequenz mit aller Gewalt ein ontologisches Erschauern erzwingen, und wieder läuft sie in eine bodenlose, bedeutungsschwangere Leere.  

Als Zuschauer wartet man darauf, dass der Fluch dieser ersten Szenen weichen, dass das Narrativ sich bitte doch noch knirschend in Gang setzen möge. Vergeblich. In Knight of Cups stolpert Christian Bale als lebenskrisengeplagter Drehbuchautor Rick durch Hollywood und Los Angeles, stellt sich und dem Zuschauer am laufenden Band existenzielle Fragen, aber die einzige, die am Ende übrig bleibt, ist: Was ist nur mit Terrence Malick passiert?

Dabei hatten wir, die diesen Regisseur innig liebten, ihn noch 2011, als er mit seinem umstrittenen Tree of Life die Goldene Palme in Cannes gewann, gegen jeden Vorwurf verteidigt. Es ist ja nicht so, dass der Zauber seine Filme gänzlich verflogen wäre. To the Wonder und Knight of Cups sind gerade wegen ihrer unfasslichen Schönheit und Pracht, ihrer raumgreifenden Virtuosität so unglaublich frustrierende Seherfahrungen.

Zum vierten Mal arbeitete Malick eng mit dem Mexikaner Emmanuel Lubezki (Gravity, Birdman) zusammen, dem derzeit besten Kameramann der Welt, berühmt für seine fluiden Kadragen und irren Fahraufnahmen, 2014 und 2015 zweimal hintereinander mit dem Oscar ausgezeichnet.   

Knight of Cups wird dominiert von Lubezkis Bildern und einer Montage, die daraus keine Erzählung im engeren Sinne macht, sondern eher den Malick-typischen Stream of Consciousness. Allein in den ersten 15 Minuten ist der Zuschauer an unzählige Handlungsorte gesprungen, hat Aufnahmen der Erde aus dem Weltall gesehen und glimmende Nordlichter, Bilder, die mit einem Handy oder einem extremen Weitwinkel-Objektiv aufgenommen wurden. Darüber hört er unablässig donnernde, orchestrale Stücke von Beethoven bis Grieg, über denen wiederum die inneren Stimmen der Figuren monologisieren. Der Film reizt die Ausdrucksmöglichkeiten dieser Kunst aufs Äußerste aus – und stürzt dabei krachend in sich zusammen, weil es die eigene Bedeutung immer nur behauptet und nichts ausspuckt als die allerbanalsten Weisheiten. 

Schon die Wahl des Schauplatzes Hollywood als Metapher für Oberflächlichkeit und Hybris ist schmerzhaft offensichtlich, und tatsächlich grast Malick alle Schauplätze ab, die auch beim Brainstormen in einem Drehbuch-Seminar auf den Tisch kämen: ausschweifende Partys und unangenehme Pitches mit Produzenten; Pools und Sonnenschein, Strand und teure Autos. Dazu gewisperte Sätze wie: "Die Palmen wollen dir etwas sagen! Du kannst alles sein!" – "Was habe ich falsch gemacht?" – "Du bist wie ich! Wirst nicht aus deinem Leben schlau! Ein Pilger des Herzens!"