Es beginnt mit dem Reich des Bösen, mit Worten also aus der berühmt-berüchtigten Rede, die US-Präsident Ronald Reagan am 8. März 1983 vor Mitgliedern der National Association of Evangelicals in Orlando, Florida hielt. Erstmals nannte Reagan die Sowjetunion da ein evil empire und zitierte dabei C. S. Lewis, den britischen Literaturwissenschaftler und Verfasser des Fantasy-Schinkens Die Chroniken von Narnia: Die größten Verbrechen, hatte Lewis in Dienstanweisung für einen Unterteufel geschrieben, würden erdacht und angeordnet in sauberen, warmen, hell erleuchteten Büros von stillen Männern mit weißen Kragen, gefeilten Fingernägeln und gut rasierten Wangen.

In der ersten Szene von Deutschland 83 lauscht eine stille, auffällig elegant gekleidete Frau Reagans Rede in einem schönen, großen Büro in der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn und ruft gleich in Ostberlin an, beim Kollegen aus der Hauptabteilung Aufklärung der Staatssicherheit: "Ich bin’s, schalt’ mal den Fernseher an."

Das sollte man tatsächlich am Donnerstagabend tun, 20.15 Uhr, RTL. Da läuft dann die erste Folge der besten deutschen Serie circa seit Menschengedenken. Entworfen wurde sie von den Fernsehmachern Anna und Jörg Winger, und der eigentliche Witz ist, dass Deutschland 83 zuerst im amerikanischen Fernsehen zu sehen war. Im Frühsommer war das, beim kleinen, feinen Kabelsender Sundance TV.

Und weil Serien heute nicht mehr unbedingt Fernsehsender als Abspielstation brauchen, konnte man auch hierzulande schon vor Monaten alle acht Folgen der ersten Staffel von Deutschland 83 kaufen und herunterladen, im amerikanischen iTunes-Store – lange bevor RTL nun mit der wöchentlichen Ausstrahlung seiner Eigenproduktion beginnt. Auch die deutsche Fernsehwelt gerät durcheinander, endlich.

Identitätssuche auf beiden Seiten

Nicht nur amerikanischen Zuschauern dürfte die Konstellation von Deutschland 83 zunächst bekannt vorgekommen sein, denn sie ähnelt jener der US-Serie The Americans, von der es bereits drei Staffeln gibt: Jemand wird während des Kalten Krieges in den frühen achtziger Jahren von Ost nach West geschickt, um zu spionieren. Bei The Americans ist es ein russisches Agentenpaar, das in einem Vorort von Washington D. C. landet, bei Deutschland 83 ein junger NVA-Grenzsoldat, der in das Büro eines Bundeswehrgenerals in einer Kaserne in der Eifel eingeschleust wird. Doch interessant sind beide Serien vor allem deshalb, weil die Agententätigkeit der Protagonisten nur den dramaturgischen und zeitgeschichtlichen Rahmen abgibt für die eigentlichen Geschichten, die erzählt werden. The Americans handelt im Kern von den Schwierigkeiten einer Ehe, Deutschland 83 von der Identitätssuche junger Erwachsener.