Vor ein paar Wochen war da diese Schlagzeile im U-Bahn-Fernsehen: "Bedingungen für neues Griechenland-Hilfspaket: Sparmaßnahmen und höhere Strafen für Steuersünder!" Das halbe Abteil, so schien es mir, nickte selbstzufrieden und fügte den höheren Strafen innerlich ein "endlich" hinzu. Beschämt wich ich also allen Blicken aus, dachte an Uli Hoeneß’ Steuersünden und wünschte mich kurz sehr weit weg.

Inzwischen, so will es das Aufmerksamkeitsgesetz der Aktualität, nach Beirut und Paris, Hannover und Brüssel, ist Griechenland erst einmal aus den Schlagzeilen verschwunden. Auch das öffentliche Ressentiment findet neue Ziele: Gegen den islamistischen Terror wirkt die Gefahr, von "den Griechen" um sein Steuergeld gebracht zu werden, nicht mehr so schlimm. Vermeintliche Faulheit ist harmlos im Vergleich mit realer Gewalt. 

Dabei hat diese vermeintlich öffentliche Wahrnehmung stets die gleiche Schwäche: Sobald Ereignisse die Konstruktion eines Wir und eines Ihr erlauben, entstehen Feindbilder, die nicht mehr die einzelne Person sehen, sondern ein schuldiges Kollektiv. Darauf jedoch können nur Sätze, Gedanken, Thesen folgen, die notwendigerweise ungerecht sind.

Solche vereinfachenden Gegenüberstellungen sind es indes, auf denen sogenannte Culture-Clash-Komödien basieren. Süd- gegen Nordfranzosen wie in Willkommen bei den Sch’tis, Deutsche versus (Deutsch-)Türken in Einmal Hans mit scharfer Soße oder zuletzt Andalusier im Gegensatz zu Basken im spanischen Acht Namen für die Liebe. Dass diese Komödien die Cultures ob des Clashs als Klischees präsentieren, ist hier erst einmal nicht verwerflich, sondern per Genre-definitionem vorgegeben. (Ein Genre übrigens, das an der Kinokasse regelmäßig Rekorde bricht.)

Anders als die politische Öffentlichkeit haben Filme aber die Möglichkeit, solche Zuschreibungen erzählerisch wieder aufzubrechen. Wobei manchmal gar nicht so leicht zu entscheiden ist, was genau ein im besten Sinne subversiver Film wie Der Name der Leute eigentlich anders macht als etwa Monsieur Claude und seine Töchter. Zwischen Vorurteilsbestätigung und -auflösung liegt oft nur ein schmaler Grat, und dass man diese Filme kaum ohne diese Vorurteil-Inbetrachtnahme, ideologiefrei gewissermaßen, rezipieren kann, gehört ebenfalls zu den Spezifika des Genres.

Nun also eine Komödie über Deutsche und Griechen. Wurde ja einerseits Zeit. Andererseits: Kann das nicht nur furchtbar werden? Schon der Titel bemüht sich kaum um Subtilität: Highway to Hellas. Erzählt wird, wie der Bankangestellte Jörg Geissner (Christoph Maria Herbst) als Kreditwürdigkeitskontrolleur auf der kleinen Insel Paladiki den Weg in die hellenische Hölle antritt. Gepflastert ist dieser von geschlossenen Hotels, verbranntem Essen, nicht vorhandener Buchführung und Ziegen als einzigem Fortbewegungsmittel. Klar, Griechenland eben. Der einsame Geissner reagiert darauf eher humorlos, flucht ständig über die Hitze, und als Herzensbrecher Panos (Adam Bousdoukos) ihn fragt, welche Frauen ihm denn so gefielen, antwortet er: "Mich macht meine Arbeit glücklich!"

Mit Klischees wirft dieser Film also, wie kaum anders zu erwarten, fröhlich in alle Richtungen um sich. Er verteilt sie großzügig, aber insofern gerecht, als dass dabei ziemlich viele schlecht wegkommen. Und auch als die Inselbewohner und der Eindringling längst ihre Feindseligkeiten ("Da kommt der Gauleiter", hatten sie ihn begrüßt) überwunden haben, als Geissner den Ouzo und die Dorfgemeinschaft die Liebenswürdigkeit und den verklemmten Charme Geissners entdeckt haben, löst sich längst nicht alles in Wohlgefallen auf. Im Grunde ihres Herzens und in diesem Film bleiben die Griechen Betrüger und die Deutschen Spaßbremsen. Logisch. Oder gerade nicht?