Das Verbrechen fühlt sich auch in verschneiten Kleinstädten wohl: Szenenbild aus "Fargo" © Netflix

"Ich will die beste Person sein, die ich sein kann", sagt die Friseurin Peggy Blumquist, die blonde, wippende Locken hat, daheim stapelweise Einrichtungsmagazine hortet und mit einem Jungschlachter verheiratet ist. "Ich will mein ganzes Potenzial verwirklichen." Was für eine ungeheure Drohung das ist, wie rücksichtslos ernst Peggy und ihr rotbäckiger Ed ihren pursuit of happiness meinen, dass sie denen, die sich ihnen in den Weg stellen, schon mal Küchenmesser in die Brust bohren – allein dafür lohnt sich die zweite Staffel von Fargo schon. Die Gangsterserie spielt 1979, als Hippietum und New Wave längst ins Düstere gekippt sind, und sich Ronald Reagan warm macht, um den Laden bald zu übernehmen. Eine der vielen grandiosen Szenen: Wie Reagan, selbstzufrieden am Pissoir stehend, dem Provinzpolizisten seine Weltsicht erklärt. Fargo, im Kern eine Gangstergeschichte, ist cooler als Pulp Fiction und mindestens so stilsicher wie Mad Men, aber viel lustiger.

LENZ JACOBSEN

"Fargo" ist verfügbar auf Netflix.