Der Springer-Verlag und seine Bild-Zeitung werden zunehmend zum Akteur in der Affäre um Jan Böhmermann und dessen Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Am Dienstagmorgen veröffentlichte der Bild-Herausgeber Kai Diekmann auf seiner Facebook-Seite ein angebliches Gespräch mit Böhmermann. Knapp zwei Stunden später war klar: Das Interview war ausgedacht. Diekmann selbst schrieb in einem zweiten Post: "Ich sage es mal in den Worten des falschen Böhmermann: 'Das ganze Leben ist Satire. Man muss sie nur erkennen!'"

Das ZDF, Böhmermanns Arbeitgeber, twitterte zu dem Stunt des Journalisten Diekmann: "Fake oder nicht Fake: das ZDF steht zu Satire und Jan Böhmermann."

Böhmermann hatte seine aktuelle Ausgabe von Neo Magazin Royale abgesagt und steht unter Polizeischutz. Am Dienstagabend hatte der Anwalt Erdoğans erklärt, dieser werde alle gerichtlichen Instanzen bemühen, um eine Strafe für Böhmermann zu erreichen.

Zuvor hatte sich schon der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner für den Komiker eingesetzt. Er veröffentlichte in der Welt einen offenen Brief an Böhmermann, in dem er schrieb, zwar nie eine Sendung von diesem gesehen zu haben, sein Gedicht aber nun "gelungen" fände und jede der Aussagen daraus unterschreiben würde.

Auch der Grünen-Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, hat sich zu Wort gemeldet. Er wählte die Form des ironischen, offenen Briefes an Erdoğan. Darin entschuldigt er sich erkennbar ironisch für die "schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit", die Böhmermann begangen habe, und schlug eine Auslieferung in die Türkei vor. Der Tübinger Landtagsabgeordnete der Grünen, Daniel Lede Abal, kommentierte: "Noch einer, der durchknallt."

Erdoğan-Kritik - Ist Böhmermanns Schmähkritik juristisch erlaubt? Hat sich Jan Böhmermann mit dem Vortragen des Gedichts über den türkischen Premier strafbar gemacht? Der Jurist Alexander Thiele mit einer verfassungsrechtlichen Einschätzung im Videointerview