Es ist nur ein ganz klein wenig zugespitzt, wenn Cinephile David Lynch als Gott bezeichnen. Von daher ist es auch fast schon verständlich, dass alle Welt Herolde aussendet, wenn er spricht. Diesmal: Ich bringe euch Twin Peaks zurück und zu meinen Propheten werden gehören Kyle MacLachlan, David Duchovny, Naomi Watts, Amanda Seyfried, Jennifer Jason Leigh, Monica Bellucci. Wobei er nicht Propheten gesagt haben wird, sondern Schauspieler. Jedenfalls kleben jetzt alle an deren Lippen, um mehr zu erfahren von Twin Peaks, das vor 20 Jahren, genau, Kult war und 2017 bitte schön mit ähnlichem Erfolg auferstehen soll.

Natürlich sparen solche Resurrektionen eine Menge Marketingbudget. Man sagt einfach nur Twin Peaks und schon macht es bei einer ganzen Menge Leute Klick, ohne dass man einen weiteren Euro oder Dollar für Werbung ausgeben müsste. Das ist ein Vorteil in einer Welt, in der Filmemachen viel Geld kostet, und eine triftige Erklärung dafür, dass wir in munterer Regelmäßigkeit Sequels (Indiana Jones oder James Bond), Prequels (Star Trek), Intermezzi (Star Wars), Verlängerungen jeder Art (Avengers) im Kino zu sehen bekommen. Die Liste ist folglich verdammt lang.

Aber es verrät auch etwas über unser Bedürfnis nach neuen Erzählräumen. Wer liest, sich einen Film anschaut oder sich sonst wie fiktional beschäftigt, tut dies auch, um sich neue Welten zu erschließen. Dort sind Dinge vorstellbar, die nicht real existieren müssen. Wir betreten Experimentierräume für gesellschaftliche Konstellationen, Labore der Gefühle und lernen so die Grenzen kennen, in denen wir uns selbst bewegen. Wahlweise lassen wir sie uns im Gesehenen bestätigen oder einreißen. Ein interessanter Zeitvertreib allemal.

Die Sequel-Prequel-Sucht aber zeigt, dass dieser Spaß offenbar erlahmt. Wie Kleinkinder, die sich so gern immer wieder dasselbe Märchen vorlesen lassen und darin so gern immer wieder die Zeilen "ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh" hören oder auf dem iPad eben die immer gleiche Folge von My little Pony, so schauen wir uns inzwischen auch im Erwachsenenalter immer aufs Neue das Wiedergekehrte an.

Dieses Verhalten sei rückversichernd, sagen Märchenforscher über die Befriedigung durch das allzeit Gleiche. Nun denn: Müssen wir uns heute so stark rückversichern, dass wir lieber in immer dieselben Räume schauen, in denen bestenfalls die Innenausstattung erneuert wurde, anstatt uns auf wirklich Neues einzulassen?

Die Welt ist komplex und ständig neu genug, lasst uns doch beim Alten bleiben! Diese tumbe Ansicht ist es, die Sequels oft so öde macht.