Doch kaltblütig nimmt er Rache, und die ist viehisch: Die Verräter, die ihn einer nach dem anderem mit Messerstichen niederstreckten, müssen hängen. Allen voran der untreue Knabe Olly, den als Figurenerfindung der Serie (in den Büchern kommt er nicht vor) ohnehin niemand so richtig vermissen wird. Der undankbare Olly hatte den letzten Dolchstoß gegen Jon geführt, und der traf nicht nur metaphorisch mitten ins Herz.

Dolchstoßlegenden sind ja ein eher deutscher Topos, ein unguter dazu, und vor historischen Vergleichen soll man sich hüten. Doch die einst vor allem von Hindenburg angestrengte Dolchstoßlegende, die deutsche Armee sei im Ersten Weltkrieg nicht auf dem Schlachtfeld besiegt worden, sondern daheim von vaterlandslosen Gesellen hinterrücks niedergestochen, bediente sich ebenfalls schon beim Nibelungenlied. Und das passt hier nun als Quelle für Game of Thrones wenigstens halb: Olly mag kein Hagen gewesen sein, dazu fehlte ihm dann doch das Format; aber Jon Snow ist schon eine ziemlich fabelhafte Siegfried-Zweitbesetzung. Sogar mit einem zweiten Leben!

Ob Jon zukünftig Drachen tötet oder womöglich als wiedergeborener Targaryen mit ihnen gegen die Feinde zu Felde zieht – da muss Game of Thrones noch seine eigene Legende stricken.

"My watch is ended", mit diesen Worten kündigt Jon erst mal seine Mitgliedschaft bei der Brüderschaft der Night’s Watch und bricht endgültig seinen Eid, Westeros von Castle Black aus vor Eindringlingen aus dem Norden zu schützen. Nun geht er hinaus in die Welt.

Ob als Zombie oder nicht als Zombie, das ist hier Frage. Hauptsache Sein, dürften sich die Fans von Game of Thrones sagen: Jon Snow mag ein neuer Siegfried sein, ein neuer Hamlet ist er ganz sicher nicht.

"Game of Thrones" läuft auf dem Bezahlsender Sky in der Nacht von Sonntag auf Montag um 3 Uhr parallel zur US-Ausstrahlung auf HBO.

Visuelle Effekte - So entstehen die Effekte aus "Game of Thrones" Viele der Landschaften, Städte und Heere aus der Erfolgsserie werden am Rechner in Stuttgart erschaffen. Wir zeigen wie.