"Ein weiser Mann hat mal gesagt: 'Frieden schließt man nicht mit seinen Freunden, Frieden schließt man mit seinen Feinden'", sagt Missandei, die Vertraute der Drachenmutter Daenerys. Mit dem "weisen Mann" ist Zwerg Tyrion gemeint, der jenen Satz kurz zuvor erst gesprochen hat – ihn sich aber nicht selbst ausgedacht hat. Tyrion zitiert damit eine Aussage des einstigen israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, der Frieden schließen wollte mit den Palästinensern.

Ja, die Fantasy-Welt von Game of Thrones will gar nicht so weit entfernt sein von der Realität. Womöglich auch deshalb betont Tyrion gleich noch, seine derzeit laufenden Verhandlungen mit den Vertretern der noch nicht von Daenerys unterworfenen Städte der Slaver’s Bay führe er nur als Vertreter der Drachenmutter; er wolle sich keineswegs in Daenerys Abwesenheit zum Anführer von Meereen aufschwingen. Die ärgsten Feinde großer Visionäre, dafür braucht es keine schiefen historischen Vergleiche, lauern häufig in deren eigenen Reihen.

Wie und mit wem schließt man Allianzen, wem schwört man warum Gefolgschaft, womit begründen Herrscher ihre Macht und ihren Anspruch auf Führerschaft? Diese vierte Folge der sechsten Staffel von Game of Thrones ist eine politische Lehrstunde, an allen Ecken und Enden der Kontinente Westeros und Essos rüsten sich die Konfliktparteien für die gewaltsamen Auseinandersetzungen, die da kommen und uns als Zuschauern ja dauernd versprochen werden. Blut soll fließen, in Strömen.

Die Schlachtordnung im Norden von Westeros steht schon fast: Jon Snow und seine Halbschwester Sansa, die sich in Castle Black endlich in die Arme schließen können, werden auf Winterfell reiten, um ihr altes Zuhause vom bösen Ramsay Bolton zurückzuerobern; militärisch unterstützt werden sie mutmaßlich nicht nur von den Wildlingen, die Jon auf der Flucht vor den Untotenarmeen jenseits der Mauer gefolgt sind, sondern auch vom Heer eines angsteinflößend unberechenbaren Kindesfürsten.

Zu dieser bunten Truppe der Anti-Ramsay-Front könnten schlussendlich auch noch die Soldaten des Hauses Greyjoy stoßen, Theon Greyjoy ist nämlich zu deren Mobilisierung zurückgekehrt in den Schoß seiner eher ruppigen Familie.

Noch kann Ramsay sich auf Schloss Winterfell seine fürstliche Langeweile mit kleinen Morden vertreiben, doch bald schon dürfte es ungemütlich werden für ihn: Der Norden begehrt auf gegen seine illegitime Herrschaft, und noch weiter nördlich warten im ewigen Eis die kälteresistenten Zombies auf ihren Einsatz gegen alles Menschliche.