Weißes Kleid, ernster Blick: So posiert die Schauspielerin Gillian Anderson vor dem Pistolenlauf, den wir von James-Bond-Filmpostern kennen. Wenige Tage ist es her, dass Anderson das Bild getwittert hat; es ist zwar nur ein Fake, stammt wohl von einem Fan, dennoch traf es einen Nerv. Bislang wurde der Tweet mehr als 13.000-mal geteilt und doppelt so oft gelikt. Unter Bond-Fans, und davon gibt es eine ganze Menge, ist nun eine Debatte entbrannt; sie dreht sich nicht um Gillian Anderson, sondern darum, ob die Zeit reif ist für Jane Bond.

Eine weibliche 007? Warum nicht.

James Bond war lange nur: charmant, chauvinistisch, eiskalt. All die Frauen, die starben, weil sie ihm zu nahe gekommen waren, ohne dass es ihn wirklich berührte. Ein Schnitt, und die Schöne, mit der er eben noch das Wasserbett geteilt hatte, war vergessen. Zu seiner Entschuldigung ist zu sagen, dass ihm die Drehbuchschreiber nur selten Zeit für Trauerarbeit gönnten. Dafür war Bond viel zu sehr mit Weltretten beschäftigt, hetzten ihm Scaramanga, Le Chiffre und die anderen Bösewichte einfach zu viele Fußsoldaten hinterher. Außerdem explodierte es ständig um ihn herum, was nach Hechtsprüngen verlangte und selbst einen hartgesottenen Spezialagenten beim Räsonieren stört.

Zugegeben, seit Daniel Craig hat sich Bond zuletzt ein wenig gewandelt; weich wäre zu viel gesagt, aber etwas nahbarer ist er doch geworden. Der Mann hat geweint, also fast, in Casino Royale nämlich, nachdem er dabei zusehen musste, wie seine geliebte Vesper Lynd (Eva Green) im Meer ertrinkt. Im Nachfolger Skyfall schon wieder, dieses Mal wirklich, als seine Quasimutter M in seinen Armen ihren letzten Atemzug tut. Und doch, all den psychologischen Verfeinerungen der Figur zum Trotz ist James Bond noch immer eine Schablone. Es kommt nicht so wirklich darauf an, wer sie letztlich ausfüllt.

Die Marke Bond

Bond ist kein Mann, sondern eine Marke, der Fixpunkt eines Universums aus ikonischen Zutaten: raketenwerfenden Autos, geschüttelten Martinis, gebrochenen Herzen und Hälsen. Dieses Universum funktioniert nach eigenen Regeln, dazu gehört, dass es seine Überdrehtheit immer schon reflektiert hat, die Figuren immer auch Karikatur ihrer selbst waren. In gewisser Weise ist James Bond keine Rolle, sondern ein Amt.

Würde nun eine Jane Bond die fast 55 Jahre alte Filmserie fortführen, müssten sich die Macher auch mit dem Sexismus und den versteinerten Rollenbildern ihrer Vorgänger auseinandersetzen. Das Ergebnis wäre sicher lustig anzuschauen, solange eine echte Modernisierung dabei herauskommt und nicht nur ein Remake von Octopussy oder Goldfinger unter umgekehrten Geschlechtervorzeichen.

Erst unlängst lernte das Kinopublikum, dass James Bond ein Waise ist. Küchenpsychologisch logisch hat ihn seine armselige Kindheit zu einem asozialen Einzelgänger gemacht, dem nicht nur die meisten Frauen egal sind, sondern die meisten Menschen. Die Zuschauer haben in ihm immer nur den Macho gesehen; dabei war und ist Bond vor allem ein Misanthrop – und das kann eine Frau genauso gut.

Und wer jetzt damit kommt, dass man die erfundene Vita eines erfundenen Agenten nicht mal eben auf das andere Geschlecht übertragen könne, den muss man daran erinnern, wie inkonsistent die Erzählung, wie fluid das Bond-Universum ist. Nur so viel: Der Mann sieht alle paar Jahre anders aus und wird gerne auch mal jünger. Brüche waren schon immer erwünscht, was auch heißt, dass es Anschlussfehler gar nicht geben kann.

Jane got a gun

Man könnte also einfach eine Agentin auf den weichen Ledersitz des Aston Martin setzen und ihr die Walther PPK in die Hand drücken, ohne dass es gewollt wirkte. Ja, selbst jene Bond-Fans, die jeden der inzwischen 24 Filme am Bart des Oberschurken oder am Dekolleté des Bond-Girls erkennen, würden das aushalten. Sie wissen es nur noch nicht. 

Auf der Newsplattform Quartz argumentiert der Autor Adam Epstein, dass Hollywood lieber eine neue starke Frauenfigur erfinden sollte, als James Bond einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen. Man könne beispielsweise einen Spin-off produzieren, schlägt er vor, der sich um eine bereits existierende 00-Agentin aus einem der Bond-Filme dreht. Aber das wäre langweilig, denn es würde nur irgendein Actionthriller sein, dessen Protagonistin vom übergroßen Schatten Bonds verschluckt würde, auf dessen Kurzauftritt alle warten.

Nein, es müsste schon Jane Bond sein, die der wertvollen 007-Marke einen neuen Dreh verpasst. Wir sollten ihr zutrauen, dieses Podest zu besteigen, das aus Klischees und Machismus besteht. Sie wird schon damit umzugehen wissen.