Das ständige Reden über Angst kann etwas grässlich Zwanghaftes haben. Als Stoff für politische Propagandisten oder Filme eignen sich Ängste hervorragend. Im Wiener Museumsquartier, wo die Anhänger des knapp gewählten grünen Bundespräsidenten Van der Bellen den Sieg über den Rechtspopulisten Norbert Hofer feierten, entstand das Programm des Kurzfilmfestivals Vienna Independent Shorts. Dessen Macher zeigen Filme, die sich mit Angst auseinandersetzen, statt sie zu instrumentalisieren. ZEIT ONLINE und Vienna Independent Shorts zeigen eine Auswahl.

Ein Leben ohne den Zwang, anderen zu begegnen, wäre dem Mann im norwegischen Puppenanimationsfilm But Milk is important das Liebste. Er verbarrikadiert sich in seiner Wohnung und gerät in Panik, wenn ihn Nachbarn sprechen wollen. Eines Tages dringt ein seltsames Wesen in seine Welt ein, das er nicht mehr abschütteln kann. In einem Spielfilm ginge das kaum ohne ausgedehnte Dialoge, dem animierten Puppenspiel gelingt es hingegen, die Sozialphobie der Hauptfigur auf leichte Art zu verbildlichen. Der Film, der als Abschlussarbeit von Anna Mantzaris und Eirik Grønmo Bjørnsen der norwegischen Hochschule Volda entstand, hat 21 Preise erhalten.

Vienna Independent Shorts - "Die Jacke" – ein Kurzfilm von Patrick Vollrath Ein junger Mann und eine junge Frau ziehen durch die Nacht. Der Streit um eine Jacke zerstört ihre frische Beziehung.

Was passiert, wenn ein Mann sich nicht so verhält, wie Männer das jahrhundertelang getan haben, also sich im Fall eines Konflikts breitbeinig zu behaupten? Patrick Vollrath schildert in seinem Kurzfilm, wie die Situation in einer Bar kippt, als es zum Streit kommt. Dass eine junge Frau eingreift, missfällt den beteiligten Männern. Der Regisseur zeigt, wie wenig sie mit diesem Rollenwechsel umgehen können und bleibt dabei nah an den Stimmungen der Beteiligten.

"Die meisten merken doch gar nicht, ob man wach ist oder nicht." Ein Mann fällt ständig in Schlaf. In einer Collage aus Gemälden, Fotos und Musik schildert ein Ich-Erzähler, wie die Phasen seiner Lebensmüdigkeit zunehmen: erst auf der Straße, dann bei der Arbeit und sogar beim Sex. Humorvoll erzählt er, wie er erst zum Arzt ging, als sich der Schlaf seiner bemächtigte. Die surreale Reise gestaltet Jochen Kuhn, selbst Professor an der Filmakademie Baden-Württemberg, mit unverwechselbarer künstlerischer Handschrift.

Die Filme sind bis zum 6. Juli 2016 in diesem Artikel online.