Können einem aber auch jeden Spaß verderben, diese oberschlauen Astrophysiker. Der deutsche Physik-Professor Harald Lesch hat über das große Alien-Ufo aus Independence Day gesagt, ein Raumschiff mit einem Durchmesser von 596 Kilometern verursachte eine solche Massenanziehung, dass die Großstädte allein von den Gezeitenströmen zermalmt würden.

Man müsste Herrn Lesch mal fragen, was dann erst das Mutterschiff aus der Fortsetzung Independence Day: Wiederkehr mit uns anstellen würde. Das ist nämlich noch viel größer, so groß wie der gesamte Atlantische Ozean. Würde es gleich die ganze Erde zerbersten lassen? Das als Spezialeffekt darzustellen wäre selbst für einen Zerstörungsnerd wie Roland Emmerich eine Herausforderung. Aber der Film fiele doch recht kurz aus, und size does matter im modernen Blockbusterkino. Was sich nicht nur auf die Größe der Spezialeffekte bezieht, sondern auch auf die Länge der Filme. Also muss der Zuschauer zwei Stunden lang Zerstörungsorgien über sich ergehen lassen, bevor er geplättet und mit summenden Ohren entlassen wird.

Zu besichtigen ist also die Fortsetzung jenes Films, der uns den Schlamassel vor 20 Jahren erst eingebrockt hat, das eben erwähnte moderne Blockbusterkino. Natürlich war das nicht allein das fragwürdige Verdienst von Independence Day, aber als der Film 1996 weltweit mehr als 800 Millionen Dollar einspielte, war für die meisten Verantwortlichen in Hollywood klar, dass die Leute im Kino Dinge kaputtgehen sehen wollen, und zwar im ganz großen Stil und mit einer Computer-Tricktechnik, die sich rasend schnell weiterentwickelte, seit James Cameron 1991 in Terminator 2 zum ersten Mal Morphing-Effekte eingesetzt hatte, bei denen den Zuschauern die Kinnlade herunterklappte. Von Mitte der neunziger Jahre an spülte eine Welle von Sci-Fi- und Katastrophenfilmen in die Kinos, und Independence Day war ihr vorläufiger Höhepunkt. Wie das Weiße Haus vom Laserstrahl eines Alien-Raumschiffs erfasst und kurz darauf in Tausende Teile explodiert: ikonografisch.

Berüchtigt ist Independence Day aber nicht nur für seine digital angefachte Zerstörungswut, sondern auch für seinen pompösen Patriotismus. Die USA, damals die vorerst letzte verbliebene Supermacht, führt die Menschen in den Kampf gegen die Aliens, und der Film-Präsident ruft in seiner finalen Rede: "Und sollten wir siegen, wird der 4. Juli nicht mehr ein amerikanischer Feiertag sein, sondern der Tag, an dem die Welt einstimmig erklärte: ‚Wir werden nicht wortlos untergehen.‘"

Ein Führungsanspruch, der 20 Jahre später noch weniger in die Zeit zu passen scheint. Das Drehbuchteam, zu dem auch der erste Regisseur Roland Emmerich gehört, hat folglich eine andere Welt skizziert: Eine, in der die Nationen angesichts der Alien-Bedrohung und dank ihrer überlegenen Technologien zusammengewachsen sind und gemeinsam an einer friedlichen Zukunft arbeiten. Als auf dem Mond eine merkwürdige Sonde auftaucht und die Frage im Raum steht, ob man sie angreifen solle oder nicht, trifft dann aber trotzdem die US-Präsidentin die Entscheidung. Die via Monitore in den war room zugeschalteten anderen Staatschefs nicken dieses Votum nur stumm ab. 

Die neue Freundschaft zwischen den Nationen bietet dem Drehbuch auch eine prima Gelegenheit, ein paar chinesische Figuren in der Geschichte unterzubringen. Produkte aus Hollywood laufen dort gut. Also darf neben dem Star Liam Hemsworth auch der Hongkong-Popstar Angelababy als schöne chinesische Kampfpilotin in den Krieg gegen die neuerliche Alien-Bedrohung ziehen.

Sonst ist wenig neu in der Fortsetzung. Die Aliens sind wieder da, diesmal eben mit einem größeren Mutterschiff und einer Königin an Bord. Das ist natürlich von Aliens: Die Rückkehr abgeschaut, wie sich überhaupt die Fortsetzung von Independence Day in der Geschichte des Science-Fiction-Films bedient und fleißig von Star Wars bis 2001 – Odyssee im Weltraum alles plagiiert, was ihm in den Weg kommt. Ansonsten tauchen einige Figuren aus dem ersten Teil wieder auf, darunter der Wissenschaftler David Levinson (Jeff Goldblum) und Ex-Präsident Whitmore (Bill Pullman). Captain Steven Hiller, vor 20 Jahren von Will Smith gespielt, ist jedoch gestorben, man sieht ihn nur als riesiges Wandgemälde. Smith hatte keine Lust, in der Rolle zurückzukehren.