Michael Cimino war ein Mann der Extreme, im Erfolg wie auch im Misserfolg. Geboren wurde Cimino 1939 in New York, er studierte Kunst und Architektur an der Yale University und begann seine Karriere als Werbefilmer. Dann zog er nach Los Angeles und schrieb Drehbücher, unter anderem für die Dirty-Harry-Reihe. Auch sein Regiedebüt Die Letzten beißen die Hunde (1974) basiert auf seinem eigenen Drehbuch. Die Hauptrollen in der Gangsterkomödie spielten Jeff Bridges und Clint Eastwood.

Gleich sein zweiter Kinofilm Die durch die Hölle gehen (The Deer Hunter) mit Robert De Niro und Meryl Streep wurde 1979 mit fünf Oscars ausgezeichnet, darunter die für den besten Film und für die beste Regie. Das Vietnam-Drama um drei russischstämmige Amerikaner, die freiwillig in den Krieg ziehen und schwer traumatisiert zurückkehren, ist wohl das umstrittenste Werk zu diesem Thema. 

Während Die durch die Hölle gehen von vielen Kritikern und Filmschaffenden zu einem der besten Filme des New Hollywood gezählt wird, werfen ihm seine Gegner Rassismus vor. Besonders umstritten ist die Szene, in der die drei Soldaten in der Gefangenschaft von den Vietcong gezwungen werden, Russisch Roulette zu spielen. Während der Berlinale 1979, wo der Film außer Konkurrenz lief, kam es zum Eklat; mehrere osteuropäische Länder zogen ihre Filme aus Protest gegen Cimino zurück, die sowjetische Delegation bezeichnete seinen Film als "Beleidigung für das Volk von Vietnam" und reiste demonstrativ ab.

Einer der größten Flops der Filmgeschichte

Nach seinem Oscargewinn brachte Cimino sein nächstes Großprojekt auf den Weg, den Western Heaven's Gate mit Kris Kristofferson und Christopher Walken. Die Produktion lief völlig aus dem Ruder, was vor allem Ciminos Kompromisslosigkeit und Eigensinn zugeschrieben wurde. Der Film kostete letztlich mehr als 40 Millionen US-Dollar und floppte an den Kinokassen. Das produzierende Studio United Artists war ruiniert und wurde kurze Zeit später an Metro-Goldwyn-Mayer verkauft.

Auch dieses Werk spaltete die Kritiker. Die New York Times schrieb nach der Premiere: "Heaven’s Gate versagt so vollständig, dass man vermuten könnte, Herr Cimino habe seine Seele dem Teufel verkauft, um den Erfolg von The Deer Hunter zu erlangen, und der Teufel sei nun gekommen, um zu kassieren."

Auf dem Filmfestival in Venedig 2012 wurde der Film in einer gekürzten und restaurierten Fassung gezeigt und gilt heute, knapp 20 Jahre nach seiner Premiere, als einer der wichtigsten Werke des modernen Western

Nach dem Flop von Heaven’s Gate hatte Cimino große Probleme, Studios zu finden. Erst 1985 erschien sein Thriller Im Jahr des Drachen mit Mickey Rourke. Es folgten Der Sizilianer (1987), 24 Stunden in seiner Gewalt (1990) und The Sunchaser (1996). An die Erfolge seiner frühen Filme konnte der Regisseur jedoch nicht mehr anschließen.

Am Samstag ist Cimino im Alter von 77 Jahren tot in seinem Haus in Los Angeles aufgefunden worden.