Der Reiz eines Fortsetzungsfilms, gemeinhin Sequel genannt, ist recht schnell beschrieben: Der Zuschauer hat die Möglichkeit, immer wieder in eine Welt einzutauchen oder zurückzukehren, von der er fasziniert ist oder in der er zumindest irgendetwas wiederfindet, das ihm bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Realität hilft. Manchmal ist das nur eine eskapistische Bewegung, manchmal ein intellektuelles Ausprobieren gesellschaftlicher Alternativentwürfe.

Im Grunde lassen sich Plot und Figurenkonstellation beinahe jedes Sequels auf einer Skala anordnen, von absolutem Stillstand (Fuck Ju Göhte, ziemlich viele James Bonds) bis kreativ-logische Weiterentwicklung des Inventars (etwa die Before-Sunrise-Trilogie oder Truffauts Antoine-Doinel-Filme). Die Bridget-Jones-Filme rangierten dort irgendwo im oberen Drittel. Immerhin begleitet uns die liebenswert chaotische Titelfigur seit 15 Jahren mit ihren Versuchen, erwachsen zu werden. Im neuen Film bekommt sie nun ein Baby. Der mögliche Vater ist ihr Ex-Partner Mark alias Colin Firth, ebenfalls schon bekannt aus den ersten beiden Teilen – und natur- wie drehbuchgemäß mit den verstrichenen Jahren gealtert. Die Rolle der Bridget Jones übernimmt zum dritten Mal Renée Zellweger. Ihre bodenständige Schönheit, waren sich Kritiker einst einig, habe sie prädestiniert für diese Rolle, die vor allem eine Identifikationsfigur für das weibliche Publikum darstellen soll. Auch deswegen wurde Zellweger als Bridget Jones für den Golden Globe und den Oscar nominiert.

Doch auf einmal ist alles anders. Seit dem zweiten Sequel hat sich Zellweger vielleicht einer plastischen Operation unterzogen. Jedenfalls sind ihre einstigen Schlupflider verschwunden, was ihr Gesicht bemerkenswert verändert hat. Sie sieht nicht mehr so aus wie die Renée Zellweger von früher, und, was enttäuschte Fans jetzt noch lauter beklagen: auch nicht mehr wie Bridget Jones. Hollywoods Sequel-Logik zufolge haben sie wohl sogar Recht. Zellweger als Jones kommt diesmal einer Produktenttäuschung gleich.

In Würde gealtert? – OP gelungen!

Nun ist Renée Zellweger – Hollywoodschauspielerin hin oder her – kein Produkt und kann wie jede andere auch mit ihrem Gesicht machen, was ihr beliebt. Reflexartig haben amerikanische Kolumnisten genau in dieser Tonlage auf die Besetzungskritik geantwortet: Jede Schauspielerin oder jeder Schauspieler (es betrifft – siehe Ryan Gosling, Matt Damon, Robert Redford – schon lange nicht mehr nur Frauen) hat das Recht, am eigenen Gesicht herumoperieren zu lassen. Doch das ist noch nicht der entscheidende Punkt. Es geht vielmehr darum, wie sichtbar das am Ende ist. Im Filmgeschäft ist aus der Sehnsuchtsphrase "in Würde gealtert" ein Euphemismus geworden für "Schönheits-OP gelungen". Und gelungen bedeutet dabei: eine Operation, die man übersehen darf. Falten? Schwere Lider? Schmale Lippen? Bitte nicht. Ewig jung, ewig straff, ewig prall sollen sie sein. Genau wie einst.

Wäre es nicht so zynisch, könnte man sich für Zellweger freuen, dass sie mit 47 Jahren noch eine werdende Mutter spielen darf, die gleich zwei Liebhaber hat. Immerhin ist die Liste der Darstellerinnen leider lang, die lediglich so lange Rollen bekamen, wie sie die junge Partnerin eines egal wie alten Typs spielen konnten, und danach offensichtlich in eine Gruft verbannt wurden (Meg Ryan, Katherine Heigl, Gwyneth Paltrow). Andere operieren so lange an sich herum, bis sie nur noch in Rollen überzeugen, die genau das feiern (wie Nicole Kidman in The Paperboy) oder aber bemitleidenswert fehlbesetzt wirken (wie Kidman in Grace of Monaco oder Queen of the Desert). Sehr wenige entgehen dem Dilemma: Meryl Streep, Julianne Moore, Diane Keaton – Schauspielerinnen, die zwar auch zu Beginn ihrer Karriere schon schön waren, aber damals bereits Rollen angeboten bekamen und übernahmen, in denen es um Charaktere ging. Die Komikerin Amy Schumer hat das Problem in ihrem wunderbaren Sketch The last fuckable day gefeiert. Renée Zellweger scheint in dieser verqueren Logik mit ihrer drittmaligen Besetzung sogar einen Erfolg verbuchen zu können.

Warum also so viel Häme für Zellwegers Veränderung, dass sie jetzt noch für einen neuen Aufguss reicht? Nichts als Selbsttäuschung. Wenn die Schauspielerin als Bridget Jones schon so übertrieben lebensnah durchs Leben taumelt, dann ist eine Schönheits-OP für den modernen Single doch keine unrealistische Option. Hochverehrtes Publikum, identifizieren Sie sich!