Als Serie verkörperte Raumschiff Enterprise das typische Fernsehvergnügen von einst: Man schaltete ein und war gewissermaßen zu Hause. So fern das Raumschiff auch mal wieder geflogen war, da saß die Crew doch zusammen auf der Brücke und ging den immer gleichen Geschäften nach: Lieutenant Uhura, ihres Zeichens Kommunikationsoffizier, drehte sich auf ihrem Drehstuhl leicht zurück, um Dinge über abbrechende oder nicht gelungene Kommunikation zu verkünden, woraufhin Mister Spock etwas "logisch" fand, was bei Schiffsarzt Pille Stirnrunzeln und bei Chefingenieur Scotty ein skeptisches "unmöglich!" hervorrief, begleitet von Mr. Chekovs Kommentaren, die aufgrund seines russischen Akzents oft untergingen. Und in der Mitte, auf dem Kapitänsstuhl, der merkwürdige Ähnlichkeit mit einem Fernsehsessel hatte, saß Captain Kirk, von den einen Jim, von den anderen James genannt, betrachtete in typisch schräger Körperhaltung seine Crew mit liebevoll-spöttischem Grinsen und fällte am Ende die richtige Entscheidung. Der Begriff der Qualitätsserie war noch nicht erfunden.

Als Kinofilm verkörpert Star Trek Beyond nun das typische Blockbustervergnügen von heute: Ereigniskino mit verteuerten Tickets für 3D, ein Ausschnitt aus einem Franchise mit gut geölter Marketingmaschine, die willentlich die Grenzen zwischen alt und neu verwischt. Einerseits sollen alle Fans von Originalserie, Spin-offs und sämtlichen Kinoversionen abgeholt werden, andererseits soll das Ganze völlig neu, auf dem höchsten Stand der Technik und des Starbetriebs erscheinen. Weltweiter Profit garantiert.

Darum rebootete J. J. Abrams, unser Nerd-in-Chief, 2009 das in die Jahre gekommene Star-Trek-Unternehmen, indem er der alten Crew um Kirk neue, junge Gesichter verpasste und ansonsten viele Elemente aus der Originalserie restaurierte. Chris Pine als Captain Kirk, Zachary Quinto als Mr. Spock, Karl Urban als Pille – das funktionierte in den ersten beiden Filmen hinlänglich gut. Aber wie das so ist mit Neuauflagen: Auch sie kommen in die Jahre.

Spock in der Krise

Und das ist das Erste, das nun an Star Trek Beyond auffällt: wie sehr auch die jungen Gesichter von damals schon wieder gealtert sind. Und dieser melancholische Gedanke schleicht sich nicht nur deshalb ein, weil der 27-jährige Anton Yelchin, der Schauspieler von Mr. Chekov, wenige Wochen vor der Premiere einen viel zu frühen Tod starb. Der Film selbst legt Melancholie nahe, wenn er Captain Kirk zu Beginn von einem Zustand erzählen lässt, den man wohl als Midlife-Crisis beschreiben muss: Immer wieder neue Lebensformen, neue Planeten, Kirk scheint den Spaß daran verloren zu haben. Gerade will er seinen Rückzug planen, als – Gott sei Dank! – eine Art Hilfeschrei die Enterprise, beziehungsweise die Station, auf der das Schiff gerade dockt, erreicht. Nach einem allzu beschaulichen Auftakt wirft sich auch der Film förmlich in die Rettungsmission und lässt dabei unkommentiert, dass offenbar auch Spock eine Identitätskrise durchläuft.

Für die nächsten Stunden bewegt sich der Film auf sicherem Terrain, obwohl die Enterprise irgendwo in völlig unerschlossenem Gebiet abstürzt: Nach dramatischem Weltallgefecht muss sich die Crew auf dem felsigen Planeten erst wiederfinden und sich mit neuen Figuren anfreunden, bevor dank bewährt hemdsärmeligem Ingenieurseinsatz die zuvor schwer zerstörte Technik wieder raumflugbereit gemacht werden kann. Und bei alledem muss natürlich auch der Bösewicht, hier in wechselnder Gestalt von Idris Elba verkörpert, angegangen werden. Alles wie gehabt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

So passt Star Trek Beyond in diesen Kinosommer der Nostalgie, in dem ein Remake das andere ablöst (es folgen: der neue Ghostbusters, Tarzan, Ben Hur und Die glorreichen Sieben!). Wobei Star Trek Beyond gewissermaßen den Nostalgierekord schlägt. Der Film macht uns auf fast schmerzliche Weise bewusst, dass nichts in der Gegenwart so schnell veraltet wie die Zukunft von gestern.