Da sitzt es also, das maskenhafte Gesicht einer entfesselten Marktwirtschaft: Carsten Maschmeyer, ehemaliger Chef des Finanzdienstleisters AWD. Sein Name allein reicht dicke, um Sozialromantikern den Tag zu versauen. Und was tut dieser Gottseibeiuns unserer Solidargemeinschaft, der Petitionen pro Atomkraft lancierte, während er den roten Teppich seiner künftigen Frau Veronica Ferres abschritt? Er sieht ganz normal aus, beinahe: nett.

Fernsehen macht’s möglich.

Hier hat Maschmeyer nach dem mutmaßlich milliardenschweren Erlös aller AWD-Anteile nämlich fortan sein Revier. Genauer: In der Höhle der Löwen, wo fünf mehr oder minder namhafte Investoren vor laufender Kamera um Anteile neuer Start-ups kämpfen.

Das Erfolgsprinzip des deutschen Abklatsches der britischen Dragon’s Den erinnert in seiner dritten Staffel ganz besonders an Germany’s Next Topmodel: mediale Laien stellen sich mit Businessideen vor ein Tribunal ausgebuffter Rampensäue und verlassen die Bühne entweder als Depp der Sendung oder Millionär in spe. Welch ein Spielfeld, könnte man meinen, für einen Manchesterkapitalisten wie Carsten M., der den insolventen Reiseveranstalter Vural Öger ersetzt. Ein Piranha ersetzt einen Pleitier.

Carsten Maschmeyer auf dem Werbeplakat von "Die Höhle der Löwen" © VOX/Benno Kraehahn

Fragt sich nur, welche Rolle Maschmeyer gegenüber seiner exaltierten Löwen-Konkurrenz, bestehend aus Jochen Schweizer (Eventsportexperte), Frank Thelen (Risikokapitalgeber), Judith Williams (Homeshoppingunternehmerin) und Ralf Dümmel (Verkaufsgenie) einnehmen wird.

Der Donald Trump des Hire-and-Fire?

Wer glaubt, Vox habe seinen Neuzugang als eine Art hiesigen Donald Trump des Hire-and-Fire-Fachs gebucht, wird eines Besseren belehrt. Zielstrebig, aber kaufmännisch korrekt setzt sich Maschmeyer etwa im Kampf um den Erfinder eines Klebestifts mit LED-Härtung gegen seine Mitbieter durch. Im Umfeld vier maskuliner Alphatiere und einer dauerlächelnden Dame wirkt der versierte Strippenzieher fast distinguiert.

Dennoch ist Maschmeyers Berufung ein Signal ans Publikum: Wer seinen Reichtum auf Dividendenversprechen in Betrugsnähe und dubiose Seilschaften mit dem niedersächsischen Kartellwesen gründet, taugt allemal zur ökonomischen Respektsperson. Firmengründern suggeriert es: Ist nicht so wichtig, welchen Müll ihr verkauft, Hauptsache ihr verkauft ihn teuer und oft. In der neuen Löwen-Staffel zum Beispiel Trinkglasranddesinfektionsstifte, auf die die Welt ähnlich innig gewartet hat wie einst auf verbleites Benzin.

So gesehen bietet diese Art Factual Entertainment Beschäftigungstherapien für ganz andere Wirtschaftskrieger: Uli Hoeneß könnte ja den RTL-Schuldenberater Peter Zwegat beerben. Und für Maschmeyers Hannover-Connection-Spezi Gerhard Schröder fände sich doch sicher ein Job als Russlandkorrespondent. Fachgebiet Energie.

"Die Höhle der Löwen" läuft dienstags um 20.15 Uhr auf Vox.