Journalisten haben kein einfaches Leben, schon lange nicht mehr. Die Auflagen im Print brechen ein, das Anzeigengeschäft ebenfalls. Die Redaktionen schrumpfen; die Honorare für die freien Mitarbeiter sinken. Online geht es um Schnelligkeit und Klicks und um die Frage, wie sich das alles rechnet. Und wenn es ganz doof läuft, steht vor den Redaktionsräumen eines Tages ein pöbelnder Haufen derer, die sich "das Volk" nennen und skandieren "Lügenpresse auf die Fresse". Was kann da helfen? Oder besser: Wer?

Vielleicht so einer wie Jan Schulte. So ein Unangepasster, Unkonventioneller. Schlecht rasiert, die Haare nicht sauber geschnitten. So ein knorriger Typ, der ein Berufsethos hat. Wo gibt's das schon noch? Einer, der es ernst nimmt mit seinem Status als Die vierte Gewalt. So heißt der Fernsehfilm, den der NDR im Auftrag von Arte unter der Regie von Brigitte Bertele produziert hat. Ein Politthriller, der sich die Zwangs- und Interessenlagen von Politik und Medien im  Skandalkessel der Hauptstadt vornimmt.

Jan Schulte (Benno Fürmann) ist auch ein Krisenopfer. Als Auslandskorrespondent der Financial Times hat er seinen Job verloren; nun arbeitet er in Berlin als Freelancer, muss die Kosten für die Privatschule seiner Tochter aufbringen und damit zurechtkommen, dass seine Freundin Britta (Jördis Triebel) im Gegensatz zu ihm eine Festanstellung hat – und das auch noch in der Redaktion seines Hauptauftraggebers. Die Republik ist eines der führenden Presseorgane des Landes, hat einen Ableger namens Die Republik online und begreift sich selbst noch immer als investigative Macht. Und das, obwohl die inneren Abhängigkeitsstrukturen des Verlags dieses Ethos schon längst nicht mehr erlauben.

Jan Schulte hat da etwas aufgetan, möglicherweise. Eine anonyme Informantin übergibt ihm einen Umschlag mit Dokumenten, die belegen sollen, dass die Gesundheitsministerin Elisabeth Stade (ziemlich großartig: Victora Trautmansdorff im permanenten Schwanken zwischen Wut, Selbstbeherrschung und Verzweiflung) dafür gesorgt hat, dass ihr Bruder bei einer Herztransplantation bevorzugt behandelt wurde. Schulte taucht mit dem Material in der Die Republik-Redaktion auf. Und wird dort ausgerechnet von seiner Freundin Britta ausgebremst.

Von nun an beginnt ein Verwirrspiel: Wer kann wem trauen? Die Ministerin ihrer engen Mitarbeiterin Katharina Pflüger (Franziska Weisz), zu der Schulte wiederum plötzlich engen Kontakt pflegt? Schulte seinem Chefredakteur Tobias Weishaupt (Oliver Masucci)? Und über alldem regiert der undurchdringliche Verleger Winter (Ulrich Matthes), dessen private und ökonomische Interessen sich in die Quere kommen. Gibt es einen Skandal aufzudecken? Sind die Dokumente fingiert? Und welche Rolle spielt der Berater und Spin Doctor der Ministerin, ein ehemaliger Journalist (Devid Striesow)?