Mit seinen ersten, zauberhaft verschwommenen Bildern entführt uns der Film Looping in eine Welt der programmierten Überwältigung. Unscharf nehmen wir die bunten Lichter eines Rummelplatzes wahr, ein Feuerwerk am Himmel, sich wild drehende Karussells. Alles ist in Bewegung, im Taumel für den kurzen Moment eines keuschen Rauschs. Bis die Kamera am müden Gesicht der 19-jährigen Leila hängen bliebt, gespielt vom jüngst gekürten European Shooting Star Jella Haase. Mit gelangweilter Miene sitzt sie da, während um sie herum sekündlich die Farben wechseln und Musik aus den Boxen dröhnt. Für Leila bedeutet der Rummel Alltag. Ihr Vater arbeitet hier, zwischen Autoscooter und Schaustellerwagen ist sie zu Hause.

An diesem Abend läuft vieles schief. Erst wird Leila von ihrer besten Freundin versetzt, ihrer heimlichen Flamme, die sich lieber mit einem Jungen vergnügt. Danach geht sie allein in den Club, anschließend spontan in einer Peepshow, bei der Leila kurzerhand selbst das Shirt lüpft. Als sie schließlich ein Lkw-Fahrer anspricht und auf eine Spritztour einlädt, Wodka im Gepäck, nimmt die Nacht ein übles Ende. Am nächsten Morgen erwacht Leila im Krankenhaus, kurz darauf lässt sie sich in die Psychiatrie einweisen.

Fast eine halbe Stunde haben wir die junge Frau bis hierhin begleitet, doch noch immer wissen wir nicht viel von ihr. Ja, sie wirkt einsam, irgendwie verloren in der Welt. Doch warum ist sie ein Fall für die Psychiatrie? Einmal sehen wir so etwas wie den Anflug einer Panikattacke, dann und wann zeigen Traumsequenzen Leila als Kind, mit ihrer Mutter, die es offenbar nicht mehr gibt. Genaueres erfahren wir nicht. Der Vater, ebenso ratlos und überfordert, sagt: "Ich verstehe nicht, was plötzlich los ist." Auf Leilas Rückfrage "Willst du es wissen?" schweigt er.

Andeutungen haben ihren Reiz, sie wecken die Neugier. Auch im Film Looping, dem Langfilmdebüt von Leonie Krippendorff. Doch die Regisseurin überreizt dieses Stilmittel. Ihr Hang zum Vagen, zum demonstrativ Geheimnisvollen wirkt bald zu gewollt, er lässt Looping im Ungefähren verharren.

Mit zunehmender Spieldauer gerät das immer strapaziöser. Denn auch die Klinik, in die Leila kommt, wirkt eher wie ein Erholungsheim für Sonderlinge, nicht aber wie eine Psychiatrie. Gespräche mit Ärzten, Diagnosen, Therapien: Fehlanzeige. Zumindest erleben wir sie nicht, nur einmal versammelt man sich zur Meditation auf Yogamatten. Man begrüßt Leila hier offiziell und führt sie in ihr Zimmer. Danach taucht nie wieder ein Arzt auf.

Stattdessen rücken Leilas Zimmergenossinnen in den Mittelpunkt. Ann, Anfang 50, umweht eine abgründige Aura. Im einen Moment wirkt sie unberechenbar, im nächsten kümmert sie sich rührend um Leila. Die andere, die Mittdreißigerin Frenja hat zu Hause Mann und Töchterchen, sie ist, wie eine Zwischenepisode verrät, herzensgut bis zur Selbstaufgabe. Ihr nächtlicher Anfall von Ess- und Brechsucht ist das deutlichste pathologische Symptom des Films.