Der Film Toni Erdmann von Regisseurin Maren Ade geht für Deutschland ins Rennen um den Oscar. Das gab die Auslandsvertretung des Deutschen Films bekannt. Toni Erdmann soll bei der Verleihung im kommenden Jahr den Preis für den besten nicht-englischsprachigen Film nach Deutschland holen.

Toni Erdmann habe unter den acht Bewerbern "durch seine konsequente künstlerische Handschrift" überzeugt, teilte die Jury mit: "Eine ebenso mutige wie stilsichere filmische Seelenschau am Puls der Zeit. Maren Ade schafft es, 162 Minuten Film zu einem humorvoll-entlarvenden Spaziergang durch die Nuancen einer Vater-Tochter Beziehung werden zu lassen."

Der Film erzählt die Geschichte von Winfried, einem Musiklehrer, und seiner Tochter Ines, einer Karrierefrau. Er sei "anrührend, aufrüttelnd, gesellschaftliche Fragezeichen implementierend und von unbeirrbarer gestalterischer Klarheit", hieß es von der Jury. "So muss modernes, internationales Kino sein!"

Toni Erdmann ist der bisher größte Erfolg der deutschen Regisseurin Maren Ade (39). Beim Filmfestival Cannes wurde das Werk mit Peter Simonischek und Sandra Hüller in den Hauptrollen von Kritikern und Zuschauern bejubelt, auch wenn er am Ende keinen Preis gewann. Die internationale Vereinigung von Filmkritikern und Filmjournalisten (Fipresci) zeichnete die Tragikomödie vor wenigen Tagen als Film des Jahres aus.

Die sieben übrigen Bewerber um die Oscar-Nominierung, darunter die Hitler-Satire Er ist wieder da, Der Staat gegen Fritz Bauer und Das Tagebuch der Anne Frank, wurden nicht berücksichtigt.

Nominierung wird im Januar veröffentlicht

Die Academy in Hollywood wird am 17. Januar 2017 eine Shortlist der eingesendeten Bewerbungen aus dem Ausland veröffentlichen, die fünf nominierten Filme sollen am 24. Januar bekannt gegeben werden. Die Oscarverleihung selbst findet am 26. Februar 2017 statt.

Im vergangenen Jahr war der Film Im Labyrinth des Schweigens von Giulio Ricciarelli über die Frankfurter Auschwitz-Prozesse als deutscher Beitrag ins Oscar-Rennen gegangen, schaffte es aber nicht in die Auswahl der letzten fünf Nominierten. Der letzte von Deutschland vorgeschlagene Film, der dann auch offiziell für den Auslandsoscar nominiert wurde, war Das weiße Band von Michael Haneke bei der Oscarverleihung 2010.

Den Oscar in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film gewann für Deutschland zuletzt Das Leben der Anderen von Florian Henckel von Donnersmarck im Jahr 2007. Zuvor hatten auch Volker Schlöndorffs Blechtrommel (1979), István Szabós Mephisto (1981) und Caroline Links Nirgendwo in Afrika (2003) die Trophäe erhalten.