Zunächst mag auffallen, dass alle drei Hollywoodproduktionen von ausländischen Regisseuren stammen. The Shallows hat der Spanier Jaume Collet-Serra verantwortet, Don't Breathe Fede Alvarez aus Uruguay. Die beiden sowie der Schwede Sandberg fielen in Hollywood mit originellen Ideen in ihren früheren Arbeiten auf. Sich ausländische Autorenfilmer zu sichern, ist in Hollywood jedoch kein neues Phänomen. Auch wenn es sicher eine smarte Idee ist, diesen Künstlern überschaubare Budgets für kleinere Genrefilme zu geben, damit sie diese mit neuen Ideen und anderen Blickwinkeln aufladen.

Möglicherweise sind Filmfans diesen Sommer auch der ganzen Fortsetzungen und Neuauflagen überdrüssig. Statt sich etwas wirklich Ausgefallenes einfallen zu lassen, kündigt beispielsweise Marvel lieber die nächsten 731 Comicverfilmungen an und nennt Starttermine für Filme im Sommer 2019, für die es weder Drehbücher noch Besetzungen gibt. Wer blickt da noch durch? Wen juckt das noch? Am Ende wird dort doch nur wieder eine Stadt in Schutt und Asche gelegt werden bei dem Versuch, einen Überbösewicht davon abzuhalten, die Welt untergehen zu lassen. Schocken können diese Szenarien kaum noch, das Muster ist zu bekannt.

Für die Lust am Horror gibt es handfeste wissenschaftliche Begründungen. Beim Gucken setzen wir uns etwas aus, das sich anfühlt sich eine lebensbedrohliche Situation. Selbst wenn wir im Kopf genau wissen, dass das Geschehen nur auf der Leinwand stattfindet, kann der Körper sich nicht gegen den Schock wehren. Das Adrenalin, das die Angst im Körper freisetzt, nutzt der Körper des Zuschauers, um sich stark zu fühlen, wenn er aus dieser Situation unbeschadet herausgeht.

Zombies und Viren

Vor allem sind Horrorfilme natürlich auch immer eine Reflexion ihrer Zeit. So gab es nach 9/11 einen starken Zuwachs an Filmen, die wie Hostel (2005) mit dem Motiv Folter spielten. Nach der Vogelgrippe in Asien wurden diverse Zombiefilme, zum Beispiel World War Z  (2013), gedreht, in denen sich Viren rasend schnell in der Bevölkerung verbreiteten.

Von Stephen King stammt der Satz, dass "wir uns Horrorgeschichten ausdenken, um mit dem realen Horror klarzukommen". Wenn die Beschaffenheit des Horrors also auch immer ein wenig die äußeren gesellschaftlichen Umstände widerspiegelt, könnte  man hier zu einem einfachen Schluss kommen: Diese Filme erklären das Unbekannte zur größten menschlichen Angstquelle und meinen damit die Furcht vor etwas, das in Zeiten des Terrors durchaus weiterverbreitet ist – nämlich das beklemmende Gefühl, aus dem Nichts attackiert zu werden.

Um das darzustellen, bedienen sich die drei jüngsten Horrorfilme sowie auch die erfolgreiche Netflix-Serie Stranger Things, in denen ein gesichtsloses Monster Kinder in eine Unterwelt zieht, bemerkenswerterweise alle desselben Kniffs: Sie belassen die Ursache des Grauens im Dunkeln. Der Hai, der die Surferin in The Shallows terrorisiert, wird lange nur angedeutet. Das Monster in Stranger Things ist über mehrere Episoden nur ein Schatten, eine Silhouette, und in Don't Breathe und Lights Out wird schlicht das Licht ausgeknipst, sodass das Böse kaum erkennbar ist.

Der Zuschauer weiß, dass und woher Gefahr droht. Er weiß aber nicht, wie sie aussieht.

Dabei spielen diese Streifen (und genau das macht sie so effektiv) mit einem einfachen Trick, den uns das Horrorgenre seit jeher weismachen will: dass wir Angst im Dunkeln haben sollen. Dabei haben wir natürlich keine Angst vor der Dunkelheit oder vor dem Meer. Wir fürchten uns nur vor dem, was sich darin verbirgt.