"Was kommt heraus, wenn man Sir Elton John mit einem Säbelzahntiger kreuzt? Keine Ahnung, aber du hältst es besser von deinem Arsch fern." – Geschmackloser Witz, richtig? Ekelhaft, ja. Und vorgetragen mit einer enervierend keifenden, kratzenden Stimme. Von einem Typen mit pomadisierten und über eine Halbglatze geschmierten Haaren, der sich Komiker nennt, aber ungefähr so witzig ist wie eine Wurzelspitzenresektion.

Der neue Film von Rick Alverson heißt Entertainment, aber mit Unterhaltung im herkömmlichen Sinn hat er absolut nichts am Hut. Der Vorgänger hieß ja auch The Comedy und war kein Stück witzig. Alverson provoziert schon mit den Titeln seiner Filme, und er macht es seinen Zuschauern auch sonst nicht leicht. Über weite Strecken darf man Entertainment und The Comedy durchaus als Publikumsbeschimpfung verstehen. Das macht Alversons Werk nicht gerade leicht konsumierbar. Dafür funkelt es umso böser und macht ihn spätestens seit Entertainment zu einer der spannendsten Protagonisten des US-Independent-Kinos.

Darin tingelt ein namenloser Stand-Up-Comedian (Gregg Turkington) durch die Provinz Südkaliforniens. Er übernachtet in billigen Hotelzimmern oder, wenn die Gage nicht reicht, auch mal auf dem Sofa eines Barbesitzers. Er tritt im Gefängnis auf und in schlecht besuchten Kneipen, und wenn sich jemand über seine miesen Witze beschwert, dann muss er sich darauf gefasst machen, von diesem übel gelaunten Clown auf das Unflätigste beschimpft zu werden. In seiner Freizeit stolpert er mit Gruppen von Touristen durch die staubige Wüstenlandschaft und besucht Flugzeugfriedhöfe oder Westernstadt-Kulissen.

Abends telefoniert der Mann mit der unglücklichen Frisur und dem traurigen Gesicht mit seiner Tochter, oder vielmehr: Er spricht ihr auf die Mailbox und sagt, wie sehr er sie vermisst. Sie ruft nie zurück. Sein einziger Sozialkontakt ist ein großkotziger Cousin (John C. Reilly), der sich zum Berater aufschwingt und von Wachstumspotenzial schwadroniert.

Halt- und heimatlos, so wirkt dieser Komiker, der nicht lustig ist. Das verbindet ihn mit Swanson, der reichen Hauptfigur aus The Comedy, die auf einem Schiff lebt und ziellos durch New York irrt. Wenn Swanson seinen Mund öffnet, hagelt es obszöne Beleidigungen. Als eine Frau, mit der er auf seinem Schiff schlafen will, einen epileptischen Anfall bekommt, schaut er nur gelangweilt zu.

Beide Charaktere Alversons sind zutiefst unsympathische Typen, auch wenn sie von Komikern gespielt werden. In The Comedy ist es Tim Heidecker, mit dem Alverson auch seine Drehbücher schreibt. In Entertainment gibt Gregg Turkington eine Variation seiner eigenen Bühnenfigur, dem Antikomiker Neil Hamburger. Dass in seinen Filmen Comedians spielen, die absolut unwitzig sind und verstörende Dinge tun, gehört zu Alversons Konzept als Filmemacher: Er unterläuft permanent Zuschauererwartungen. Wer einen Film von ihm sieht, wird sich schnell bewusst, dass er selbst, seine Haltung dazu, inhärenter Bestandteil der Seherfahrung ist. Was willst du eigentlich von mir?, scheinen diese Filme zu fragen.

Das ist ein radikaler Ansatz, umso radikaler, als er aus den USA kommt. In Europa gibt es eine lange Kinotradition, in der Filme sich einer konventionellen Erzählhaltung verweigern und gewissermaßen über sich selbst nachdenken. Das fängt schon in der Stummfilmzeit mit Buñuels Ein andalusischer Hund an. In den USA dagegen ist diese Tradition nur sehr schwach ausgeprägt.

In einem Interview mit Vanity Fair hält Rick Alverson mit seiner Meinung über das US-Kino nicht hinter dem Berg: "Ich glaube, der kommerzielle Film in Amerika und auch das Fernsehen sind eine verfeinerte Variante der Strategien und Manipulationen, mit denen ein 'gutes Gefühl' schon seit einem Jahrhundert wie eine billige Droge an die Zuschauer verkauft wird."