Es ist nicht leicht, Erfolg zu haben. Noch schwieriger dürfte es sein, richtig damit umzugehen. Also auch zu wissen, wann es gut ist, aufzuhören. Harald Schmidt, der ungefähr zur gleichen Zeit seine großen Jahre hatte wie Zimmer frei, sagte, wenn man einmal das richtige Format gefunden habe, sollte man davon nicht mehr lassen bis zum Schluss. Schmidt selbst änderte allerdings so viel an seiner Sendung herum, dass sein Abschied als Abfolge vieler Schnapsideen in Erinnerung bleibt.

Zimmer frei geht dagegen stilvoll zu Ende: nach 20 Jahren, mit der letzten Sendung am 18. September und einer Gala am Sonntag drauf. Der vor einem Jahr angekündigte Abschied wird bis dahin genossen. Zum Beispiel, wenn Axel Prahl wehmütig "Es ist vorbei, bye-bye, Junimond" von Rio Reiser singt. Und Alsmann trocken bemerkt: "Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, Axel, die Stimmung ist grandios." In solch hübschen Momenten zeigt sich ganz beiläufig Alsmanns hohe Kunst. Es dürfte keinen zweiten Moderator im deutschen Fernsehen geben, der bei aller notwendiger Eitelkeit einen solch demütigen Begriff von Unterhaltung hat wie Götz Alsmann; der weiß, dass er nicht auf der Bühne steht, um darüber zu jammern, was das Leben ihm angetan hat, sondern damit das Publikum einen guten Abend hat.

Die Herstellung eines emotionalen Moments

Das zeigt sich auch in dieser Szene: Wie man Prahls abwechselnd röhrend und hauchenden Klampfismus musikalisch findet, ist egal, solange nur die Musik läuft, solange ein Gast auf seine Weise etwas zum Vortrag bringt. Alsmann verschwindet dann in der Musik: in ihrer Entstehung, der Herstellung eines emotionalen Moments.

Aber natürlich verdankt sich die Größe der Sendung, die als Sommerpausenfüller gestartet war in einer Zeit, als das Programm noch West 3 hieß, allein der Kombination beider Moderatoren – also genauso sehr der Mitwirkung von Christine Westermann.

Wer damals vorhergesehen hatte, dass die Paarung von Westermann und Alsmann genial sein könnte, besaß eine umwerfende Menschenkenntnis. Schaut man sich heutige Doppelmoderationen an, hat man Schwierigkeiten, die Unterschiede zwischen den Partnern zu benennen. Die leicht epigonale Anmutung von Circus HalliGalli, die Ahnung, dass die Sendung bekannte Elemente zeitgemäß aufpoliert (das Studio sieht natürlich viel stylisher aus als das von Zimmer frei), lässt sich auch damit erklären, dass die grundlegende Rivalität zwischen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf immer nur wie eine Behauptung wirkt. Soll man sie unterscheiden, wird Klaas "der Kluge" genannt (weil er eloquenter ist), aber, bezeichnenderweise, Joko nie "der Dumme". Eigentlich sind sie sich beide nämlich viel zu ähnlich. Kaum anders verhält es sich bei Jan Böhmermann und Olli Schulz – Buddys, bei denen einer besser Gitarre spielen kann.

Westermann und Alsmann dagegen verbindet ein richtiger Antagonismus, und es machte die Sache noch interessanter, dass die Qualitäten der beiden gerade nicht so verteilt sind, wie man sie Geschlechtern gemeinhin zuschreiben würde. Bei Zimmer frei war nicht die Frau für die Anmut zuständig und der Mann für die wirklich wichtigen Sachen – es war genau umgekehrt. Und zwar bis ins Körperliche: Westermann als die Ältere, die Seriösere, die Journalistin, die mit dem Format viel mehr zu verlieren hatte (die Moderation der Aktuellen Stunde musste sie bald dreingeben), stand ohne Moderationstisch vor der Kamera wie eine Säule (sie selbst bezeichnete sich als "eckig"), während der fabulierselige Alsmann in seinem athletischen Heinz-Erhardt-Körper permanent um sie herumscharwenzelte.

Strenge Choreografie der Charaktere

Die Laufwege bei der Eröffnung der Sendung ergaben eine strenge Choreografie: Während Alsmann bei der Begrüßung rhetorisch, stimmlich und tänzerisch schon 20-mal hoch- und wieder runtergeschaltet hatte, kündigte Westermann stur im zweiten Gang den Studiogast an. Gast kommt, wird begrüßt und an den Tisch geleitet, Alsmann schwirrt hinter ihm und Westermann zum Kopfende des Tisches, um den Stuhl erst für den Gast, dann auch für die Moderatorin zurechtzurücken, um dann mit einer eleganten Bewegung auf seinen eigenen Sitz zu gleiten und sich dabei routiniert-unmerklich das Jacket zu öffnen. Westermann eröffnet das Gespräch.

Absolut unpassend war es daher, wenn man wie Jürgen von der Lippe glaubte, in dieses Prozedere eingreifen zu dürfen und Christine Westermann selbst zu platzieren. In solchen Momenten konnte sich manchmal eine Irritation andeuten, die sich am Ende zum Urteil verdichtete. Denn Zimmer frei funktionierte wie eine Art Brennglas von Prominenz: Wer hierherkam, hielt nicht nur kurz etwas in die Kamera, sondern wurde gesehen – und zwar anders, länger und intensiver als bei anderen Sendungen.