1999 hatten Daniel Myrick und Eduardo Sánchez eine ebenso einfache wie geniale Idee. Sie drehten einen Horrorfilm, der ausschließlich aus vermeintlich gefundenem Dokumentarmaterial bestand. Heute ist The Blair Witch Project ein moderner Horrorklassiker, obwohl auf den Bildern wenig zu erkennen war. Der Film rekonstruierte die Expedition von drei Studenten, die in den Wäldern von Maryland der Volkssage um den Fluch der Blair-Hexe auf den Grund gehen wollten. Die selbst gefilmten Aufnahmen, die The Blair Witch Project zeigte, waren später alles, was von ihnen noch gefunden wurde.

Um ihren Low-Budget-Film zu bewerben, lancierten Myrick und Sánchez eine gewollt kryptische Website, die über die Herkunft des fingierten Materials sowie die Geschichte des Ortes Burkittsville Auskunft geben sollte. Diese Website besuchten innerhalb kürzester Zeit eine Million Nutzer, was damals eine Menge war, und trug maßgeblich zum Wirbel um den Film bei.

The Blair Witch Project erwies sich als enorm einflussreich. Der überraschende Erfolg löste eine ganze Reihe von Found-Footage-Horrorfilmen mit Pseudodokumentarbildern oder inszeniertem Überwachungskameramaterial (Cloverfield, [REC], Diary of the Dead, Paranormal Activity) aus.

Inzwischen ist die Handkameraästhetik eine Konvention im Horrorfilm, das Found-Footage-Thema schien trotz der anhaltenden Popularität der Paranormal-Activity-Filme weitgehend auserzählt. Umso erstaunlicher, dass 17 Jahre nach The Blair Witch Project jemand auf die Idee kam, die Geschichte noch einmal aufzuwärmen. Der Reiz des Neuen, auf den Myrick und Sánchez einst setzen konnten, ist längst verpufft und auch die Marketingidee der kalkulierten Informationsverknappung (auch über die Produktion des nun anlaufenden neuen Blair-Witch-Films kursierten bis zum Frühjahr nur Gerüchte) hat sich abgenutzt. 

Blair Witch, die erste große Regiearbeit des Independent-Horrorfilmers Adam Wingard, kommt also ziemlich unerwartet in die Kinos. Nicht einmal er selbst scheint zu wissen, was sein Film eigentlich sein soll. Angekündigt als weiteres Sequel nach dem nicht weiter erwähnenswerten Book of Shadows: Blair Witch 2 aus dem Jahr 2000, wirkt Blair Witch über weite Strecken wie eine werkgetreue Hommage an das Original, inklusive heidnischer Holzkreuzmobiles und unheimlicher Schreie im nächtlichen Wald. Auch die Prämisse ist dieselbe: In den Wäldern um das Städtchen Burkittsville wurden erneut Videoaufnahmen gefunden, die Blair Witch nun dokumentiert. Diese Unentschlossenheit passt immerhin zur aktuellen Franchise-Mentalität in Hollywood, in der die Grenzen von Sequel, Remake und Reboot zunehmend unschärfer verlaufen.