"Funk" ist ein doppeldeutiges Wort. Für popkulturell geschulte Ohren reimt es sich auf "Punk". Spricht man es hingegen deutsch aus, reimt es sich auf "Stunk", klingt also eher nach Volksempfänger und Verwaltung. Umso erstaunlicher ist, dass die Verantwortlichen funk beharrlich mit biederem Stunk-U aussprechen, seit ihr "junges Angebot von ARD und ZDF" für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen vorige Woche in Berlin vorgestellt wurde.

Abgesehen von der Gebührenfinanzierung erinnert darin schließlich kaum mehr was an den Röhrenfernseherfunk von früher. Nach jahrelangem Streit um Inhalt und Ziele, nach parteipolitischer Einflussnahme und innermedialer Selbstbehauptung, nach Staatsvertragskorrekturen und zugehöriger Ratifizierung gibt es nun endlich öffentlich-rechtliche Formate, die speziell für die Sehgewohnheiten im Netz produziert wurden. Und im Netz herrschen bekanntlich eigene Sitten, eigene Regeln, eigene Gesetze. Und www.funk.net will sie befolgen. Alle.

Zum Start hat das Team um den 40-jährigen Geschäftsführer Florian Hager 40 Formate produziert, die netztypisch selten länger als vier Minuten sind. Darunter sind das unerlässliche factual entertainment sowie Fiktion in Reihe. Dazu ein bisschen Mystery, etwas Anime, viele Clipshows, noch mehr Comedy und überhaupt reichlich Content, wie Filme oft genannt werden, wenn sie im Parallelfernsehen von Amazon oder Netflix laufen.

Auf einen Kaffee

Hager, der bereits bei Arte das digitale Angebot aufbaute, will dennoch kein "erweitertes YouTube mit Filmen in Dauerschleife" herstellen. Sein Personal zeigt allerdings nun, dass das Material von YouTube für funk tatsächlich nicht großartig erweitert wurde. Den gediegenen Irrsinn des Bohemian Browser Balletts etwa orchestriert Christian Brandes, der unterm Pseudonym Schlecky Silberstein zu den Stars der Bloggerszene zählt.

Wenn Moritz Neumeier wöchentlich Auf einen Kaffee bittet, um mit schnodderigem Küstenslang die Welt zu erklären, tut der 28-jährige Poetry-Slammer nichts anderes als zuvor, nur jetzt bezahlt mit Rundfunkgebühren. Hinter der Gaming-Show 1080NerdScope steckt kein Geringerer als der Click-Milliardär LeFloid. Und Kathrin Frickes dadaistisch, aber versiert animierte SciFi-Parodie StarStarSpace hatte nach 24 funk-Stunden auch deshalb stolze 110.000 Zugriffe, weil sie unter dem Namen Coldmirror schon länger zur YouTube-Elite zählt.

Dieses Abschöpfen von Internetressourcen fürs öffentlich-rechtliche Programm mag strategisch berechenbar wirken. Inhaltlich ist es vorwiegend originell. Der Böhmermann-Autor Florentin Will zum Beispiel kommentiert mit seiner Kollegin Katjana Gerz den Irrsinn der Arbeitssphäre in Gute Arbeit Originals so lustig, wie es im traditionellen Fernsehen schon einige Zeit nicht mehr zu sehen war. Mit Nemi El-Hassan, Friedemann Karig und Ronja von Rönne betätigen sich junge Journalisten als meinungsstarke Jäger & Sammler in den Abgründen unserer Gesellschaft. Zum Auftakt stellen sie sich rechten Rappern, ohne mit dem Zeigefinger zu wedeln.