Zamperoni ist zurück, auf Zack und zuckersüß. Auf diese Reaktionen hat die ARD wohl gesetzt, als sie den 42-jährigen Journalisten zum Anchorman der Tagesthemen ernannte. Zamperoni wirkt jung und frisch (hat schon mal Ernie und Bert in einer Nachrichtensendung interviewt), hat einen akzeptablen Migrationshintergrund (Deutsch-Italiener, dem man keine Mafia-Verbindungen nachsagt) und sehr viele Fans (weil er aussieht wie ein Posterboy, der auf Krankenkassenmitgliedsheften mit einem strahlend weißen Lächeln für eine Zahnzusatzversicherung wirbt). Bekannt wurde er als Ersatz-Tagesthemen-Mann, wenn der Tagesthemen-Mann mal nicht kann.
Dieser Reim musste sein, denn solche Scherze macht auch Ingo Zamperoni gerne.

Auch gleich am Montag bei seiner Premiere als vollwertiger Moderator der wichtigsten ARD-Nachrichtensendung. Im Interview mit EU-Präsident Martin Schulz sprach der smarte Nachrichten-Entertainer von "Gezeter mit Ceta" und konnte seine schelmische Freude darüber, diesen Quatsch untergebracht zu haben, kaum verbergen.

In der Sache hatte Zamperoni Recht – er hakte immer wieder nach, warum Schulz so sicher sei, dass das Abkommen mit Kanada zustande komme, wo es in der EU doch gerade in allen Ecken und Enden krache. Das Gespräch führte er aber leider noch allzu sehr wie ein Vorzeige-Journalistenschüler, der zum ersten Mal einen Promi interviewt.

Erfolg beim Schlusssatz

So ambitioniert kam er dann zu Formulierungen wie der, dass die Wallonen, die den CETA-Vertrag nicht unterzeichnen wollen, "da ein ziemliches Stemmeisen reingesteckt" haben. Stemmeisen? Was für ein Stemmeisen? Und worein stecken? Mhm. Haben die Wallonen nicht das Saxofon erfunden? Hätte man damit nicht besser was machen können als mit hässlichen Stemmeisen?

Egal, denn das Gespräch sollte einen gelungenen Abschluss finden: Auf die Frage nach einer möglichen Kanzlerkandidatur antwortete Schulz: "Herr Zamperoni, das ist ja heute Ihre erste Sendung, und deshalb ist diese Frage sicher auch eine ganz tolle. Und ich wünsche Ihnen viel Erfolg – vor allem dabei, Ihren Schlusssatz zu finden." Und Zamperoni konterte: "Ich sehe, das Kanzlerthema hat noch keinen Schlusssatz."

Innere Zerrissenheit

Rund um Zamperonis Schlusssatz war tagelang spekuliert worden. Wie würde sich der charmante Neue von Thomas Roth und Ulrich Wickert und deren bräsigen Nachtruhe-Wünsche unterscheiden? Gemeinsam mit seiner Kollegin Caren Miosga hatte Zamperoni vorab ein Video eingespielt, in dem ein Schlusssatz-Generator den Satz "Möge der Bessere...." ausspuckt. Das war der Satz, mit dem Zamperoni 2012 seine "innere Zerrissenheit" beim Fußball-EM-Spiel Italien-Deutschland in der Halbzeitpause deutlich machte und für die er soviel Hass aus dem deutschen Lager bekam.