Bei Meryl Streep ist die Antwort ganz klar: Ihre Florence Foster Jenkins ist nett. Wahnhaft und selbstverliebt zwar, aber großherzig und herzlich. Und weil sie auch leidet, an Syphilis und ihrer Kinderlosigkeit, an Einsamkeit und Melancholie, muss der Zuschauer sie einfach mögen. Das ist der dramaturgische Stolperstein, den die Komödie von Stephen Frears überwinden muss: Das Publikum soll über Florence lachen, aber sie darf nicht lächerlich wirken. Meryl Streep hat mit exzentrischen Frauenfiguren Erfahrung, sie spielte schon in Der Teufel trägt Prada eine Verlegerin nach realem Vorbild und in Julie & Julia eine Fernsehköchin. Und als Florence Foster Jenkins schafft sie einmal mehr den Spagat, dem Zuschauer eine eigentlich unmögliche Figur ans Herz zu bringen, ohne ihr dabei die Vielschichtigkeit zu nehmen.

Stephen Frears ist mit Florence Foster Jenkins eine gleichermaßen schrille wie warme Komödie gelungen. Er gruppiert um seine Hauptfigur ein Ensemble aus weiteren schrägen Charakteren wie den pomadisierten britischen Shakespeare-Rezitator St. Clair Bayfield (Hugh Grant), der ihr Impresario wird, sie vor schlechten Kritiken beschützt und heimlich mit einer anderen Frau verheiratet ist. Oder den Pianisten Cosmé McMoon (Simon Helberg), der vor jedem öffentlichen Auftritt Todesängste aussteht und für den Florence mütterliche Gefühle entwickelt.

Am Klamauk vorbei

Bis zum Höhepunkt, eben jenem Auftritt in der Carnegie Hall, schrammt der Film immer mal wieder am Klamauk vorbei. Etwa dann, wenn Florence noch exzentrischer gemacht wird, als sie es wohl tatsächlich war. In der Fiktion etwa liebt sie Kartoffelsalat und lässt ihn für abendliche Zusammenkünfte gleich badewannenweise zubereiten. Doch meistens können das Timing der Gags und Slapstick-Einlagen mithalten mit den umwerfend komischen Sequenzen, in denen Florence singt – oder das tut, was sie dafür hält.

Große Unterhaltung also. Mit der echten Florence Foster Jenkins hat das Ganze indes wenig zu tun. Über die, so erfährt man in Ralf Plegers Doku, wissen wir nämlich erstaunlich wenig. Weder ob sie wirklich an Syphilis gelitten hat, noch wie sie sich selbst sah. Das Bild, das wir von ihr haben, entsteht allein aus unseren Projektionen auf diese Figur. Ihre Stimme allerdings hat in historischen Tonaufnahmen überlebt. Und auf ihnen hören wir zweifelsfrei: Gesungen hat sie wirklich sehr, sehr schlecht.