Wie sie da aus dem Flughafen eilen, die Magazinrechercheurin Rommy (Nina Kunzendorf) und die Unternehmerinnentochter Tessa (Paula Beer, der großartige Star aus Kinofilm Frantz) und heftig miteinander flirten, keimt Hoffnung auf neue Krimizeiten: mal was anderes sehen als die charmeerloschenen Hetero-Krimikerle. Ob sie noch einen Kaffee trinken wollen, fragt die herbe Rommy die jüngere Tessa, aber die hat die Situation schon überblickt: "Ich ja, aber du nicht."

Denn da steht als Abholerin die besorgte Karin (Anke Engelke), die Chefredakteurin des Magazins Puls, und man sieht sogleich, dass die Beziehung zwischen den beiden viel mehr ist als eine bloß berufliche. Karin hat den Flirt bemerkt, nimmt ihn aber spielerisch und packt der geliebten Freundin frische Wäsche in den Koffer. Rommy muss gleich weiter, nach Brüssel zum Interview mit dem Whistleblower Paul Holthaus (Oliver Masucci).

Der könnte verraten, wie ein weltweit operierender Chemieriese die deutsch-amerikanischen TTIP-Vertragsentwürfe durch Einbau undurchsichtiger Klauseln manipuliert hat, um weiterhin ungestört genmanipuliertes Saatgut in die Welt zu verkaufen. Und wie es gelungen ist, dieses miese Geschäft unter ökologischer Tarnkappe fortzusetzen.

Der Film will dem Journalismus zu Leibe rücken

Der Politthriller Tödliche Geheimnisse, der am Samstag in der ARD läuft, will noch mehr zeigen als solche Machenschaften. Er will dem Journalismus zu Leibe rücken. Ein immer beliebter werdendes Thema. Die ARD-Serie Die Stadt und die Macht mit Anna Loos zeigte die Instrumentalisierung der Presse für den Wahlkampf, die Vierte Gewalt mit Benno Fürmann eine Art Eigentor des Journalismus: Ein Pressesprecher treibt eine Ministerin in den Selbstmord, indem er seine Enthüllungskollegen hereinlegt. Tödliche Geheimnisse handelt auch von der Selbstzerlegung der Medien.

Die Pflicht ruft – leider. Der Plot (Buch: Florian Oeller) hat eine schier endlose Monsterwelt aufgebaut, durch die Rommy und ihre Chefin hetzen müssen. Viel, viel Stoff, keine Zeit für Kaffee mit Liebesschaum.

Die Fronten sind klar: Gut kämpft gegen Böse

Der Thriller lärmt los. Die linke Aversion gegen alles, was kapitalistische Wirtschaft ist, steigert sich in dieser Krimifiktion zum Schauermärchen. Handelsverträge wie TTIP kennt der Film nur als mörderischen Überwältigungsversuch erzkapitalistischer Plutokraten. Das klärt die Fronten: Gut kämpft gegen Böse.

Journalisten verwandeln sich durch das Schwarz-Weiß des Thrillers vom abwägenden Beobachter entweder in einen kämpfenden Engel der Gerechtigkeit oder einen feigen Verräter. An diese schlichte Sicht der Dinge muss man glauben, wenn man Tödliche Geheimnisse, wie es der ARD-Programmdirektor Volker Herres im Vorwort des Programmheftes tut, zur "exemplarischen Auseinandersetzung" erhebt. Aber wie exemplarisch wäre, selbst als Fiktion, jetzt ein Krimi über das unterzeichnete deutsch-kanadische Abkommen, der nur mit Ceta-und-Mordio-Geschrei durchdiskutierte Ängste erneut schüren würde?

Tapfer versucht eine sensible Regisseurin wie Sherry Hormann, ihren Schauspielerinnen bei allem Enthüllungsgetöse des Drehbuchs Platz für Charakterzeichnungen zu eröffnen. Wo hat es das schließlich schon gegeben, dass Frauen in einem Thriller sämtliche Hauptrollen spielen? Leider aber breitet sich der Ökoschulfunk über Bodenvergiftung, Dritte-Welt-Elend und Konzerntrickserei in papierenen Monologen allzu sehr aus.