Es ist, als käme man nach Hause: Mit diesem sehr kurzen, sehr sentimentalen Satz ließe sich vermutlich schon der ganze, ja durchaus brutal durchkalkulierte Erfolg der jüngsten Fortsetzungsgeschichte der Star Wars-Saga begründen. Als im vergangenen Jahr genau um diese Zeit der siebte Teil der Hauptreihe in den Kinos startete, der dem Rechtebesitzer Disney nach vorläufigen Schätzungen bereits mehr als zwei Milliarden US-Dollar Umsatz brachte, bestand der Haupteffekt von Das Erwachen der Macht im Wiedererkennen, in der Wiederbegegnung. Die alten Helden Luke, Leia und Han schickten sich an, das Universum allmählich einer jüngeren Generation von Figuren zu übergeben. Und die Frage, was eigentlich aus Luke Skywalker wurde, war – nachdem sich seine Spur 1983 in Die Rückkehr der Jedi-Ritter verloren hatte – schon die wichtigste Frage des jüngsten Films. Eigentlich keine sehr aufregende Frage für einen Blockbuster dieser Dimension. Und doch eben bei Star Wars eine wesentliche, denn dieses große Allmärchen ist ja im Kern auch nur die Geschichte einer Familie. Oder der Familie schlechthin.

Nun kommt am Donnerstag also ein neuer Star Wars-Film in die Kinos, Rogue One. Doch er gehört nicht in die Hauptreihe. Er ist vielmehr ein wirtschaftliches Nebenprodukt und die filmische Ausbuchstabierung einer Nebenhandlung, die im zeitlichen Ablauf der Großerzählung exakt vor dem allerersten Teil, Krieg der Sterne, platziert ist. Der begann damit, dass – alle Fans erinnern sich – Prinzessin Leia irgendwie in den Besitz der Baupläne des ersten imperialen Todessterns gekommen war. Rogue One erzählt nun, wie es dazu kam. Und viel mehr auch nicht. 

Dass bekannte Figuren aus der ersten Star Wars-Trilogie darin auftauchen, etwa der ursprüngliche Bösewicht Darth Vader, konnte man bereits vor etlichen Wochen den Trailern entnehmen. Tatsächlich endet Rogue One passgenau an der Stelle, an der Krieg der Sterne einst begann. Doch nun stellt sich heraus, dass diese Figuren gleichsam nur als Anschlusspunkte an die Haupterzählung dienen. Rogue One nutzt vielmehr die dramaturgische Freiheit, gerade nicht die Handlung der Saga vorantreiben zu müssen. Die Erzählmuster wurden neu verstrickt, weil sie sich die Drehbuchautoren Chris Weitz und Tony Gilroy ziemlich frei ausdenken konnten. Und wohl deshalb ist Rogue One in vielerlei Hinsicht der vielleicht überzeugendste Star Wars-Film, der bislang gedreht wurde. Seine wenigen Schwächen hat er interessanterweise genau dann, wenn das alte Personal aus der Ursprungstrilogie wieder auftaucht. Ausgerechnet die Heimkehr, die Wiederbegegnung mit den bekannten Charakteren geht schief.

Einer dieser alten Bekannten ist der Großmoff Tarkin, der Kommandant des ersten Todessterns, der 1977 in Krieg der Sterne vom britischen Schauspieler Peter Cushing verkörpert wurde. Cushing ist im Jahr 1994 gestorben. Für Rogue One wurde er per Computertechnik wieder zum Leben erweckt. Dieser CGI-Cushing läuft nicht nur ein paar Mal durchs Bild, nein, er hat sogar eine tragende Sprechrolle. Doch dafür reichen heutige Rechnerleistungen einfach noch nicht. Die Figur ruckelt gewaltig, und so ergibt sich ein ähnlich unangenehmer Effekt wie beim Betrachten der zwischen 1999 und 2005 noch von Star Wars-Erfinder George Lucas beaufsichtigten zweiten Star Wars-Trilogie: Man erschaudert angesichts der unausgereiften Technologie und weiß bereits beim ersten Anschauen, dass diese Computerbilder in wenigen Jahren – wenn die Technologie weiter sein und womöglich echte, lebende Schauspieler arbeitslos machen wird – absolut scheußlich wirken werden. Wie unnötig, wie störend, dass der Rogue One-Regisseur Gareth Edwards sie jetzt schon einsetzt.