Gibt es bei den Statistik-Aficionados vom tatort-fundus.de eigentlich Dienstjahre-Charts und Ermittler-Ära-Grafiken? Konstanz, das letzte Woche zu Ende ging nach 31 Folgen und 14 Jahren, steht auf Platz 10 der Liste der meisten Fälle (Die Top 3 sind alle noch aktiv: Batic-München, 73, vor Ballauf-Köln, 67, und Odenthal-Ludwigshafen, 64).

Angefangen hatte Eva Mattes als Kommissarin Klara Blum im Jahr 2002, einem durchaus prägenden Jahr, in dem noch drei weitere Ermittlerteams an den Start gingen: Dellwo/Sänger (Jörg Schüttauf, Andrea Sawatzki) in Frankfurt/Main hielten zwar nur bis 2010 durch, legten aber nach den bleiernen "Fliege"-Brinkmann-Jahren mit Karl-Heinz von Hassel, wie es in der Sprache der Sportreporter heißt, den Grundstein für die Erfolge, die der Hessische Rundfunk seither beim Tatort feiert.

Maria Furtwängler präsidialisiert sich als Charlotte Lindholm in Niedersachsen noch immer durch die Landschaft und Axel Prahl und Jan Josef Liefers können für ihre Rollen als Thiel/Boerne auch deshalb über mehr Geld verhandeln, weil Münster der Blockbuster unter den Schauplätzen ist.

Was hat das nun alles mit dem aktuellen Tatort aus Berlin zu tun? Dass man auch nach dem vierten Fall Dunkelfeld (rbb-Redaktion: Cooky Ziesche, Josephine Schröder-Zebralla, Degeto-Redaktion: Birgit Titze) des neuen Teams nicht den Eindruck hat, hier würde eine Ära oder auch nur etwas halbwegs Interessantes entstehen. Robert Karow (Mark Waschke) und Nina Rubin (Meret Becker), seit 2015 dabei, wirken wie der verspätete Versuch von Innovation, sie sind Kopien von Akzenten, die anderswo schon gesetzt wurden. Das Stressig-Sozialkrasse der Karow-Figur wird vom mühsamen Faber (Jörg Hartmann) in Dortmund problemlos übertroffen. Und die Bemühungen, einer Reihe episodenübergreifend zu erzählen, auch wenn die Folgen nur halbjährlich erscheinen, gelingt beim Polizeiruf in Rostock auf beeindruckend spannende Weise.

Matthias Dell schreibt seit 2010 wöchentlich über "Tatort" und "Polizeiruf 110". Auf ZEIT ONLINE nun in der Kolumne "Der Obduktionsbericht". © Daniel Seiffert

In Berlin müssen dagegen am Anfang jeder neuen Folge dramatische "Was bisher geschah"-Zusammenschnitte her, die aber, weil die Verwicklungen um Karow so doof und unklar sind, selbst nur Unverständnis produzieren. Das muss man auch erst mal hinkriegen: Recaps, die verwirren. Führt dazu, dass die Begeisterung für Dunkelfeld schon "Gute Nacht" gesagt hat, bevor der Fall überhaupt losgeht.

Kein "Citizen Kane"-mäßiges Hammergeheimnis

Irgendwas ist mit Karow, irgendwas mit dem toten Kollegen von Karow, irgendwas mit einem Video, das nun zum dritten Mal beschworen wird. Da müsste, von diesem Hype her gedacht, also eigentlich so ein Rosebud-Citizen-Kane-mäßiges Hammergeheimnis drauf sein. Stattdessen sieht man das Schmierentheater, das billigst die vorher etablierte Erzählung nachstellt: Karow-Kollege wird von Drogenhändler-Bauunternehmer (Tim Seyfi) erschossen, weil der Karow-Kollege den Staatsanwalt (Holger Handtke) erkannt hatte, der mit dem Drogenhändler-Bauunternehmer krumme Geschäfte macht. Es ist so traurig.