Donald Trump hat nicht das Who's who der Unterhaltungswelt auf seiner Seite. Trotzdem unterhält er einige enge Bande mit Hollywood. Zum einen ist er in der Branche natürlich kein Fremder. Im Gegenteil. Die Filmhochburg trug einst zu seiner Popularität bei. Über drei Jahrzehnte konnte er sein Image als New Yorker Milliardär auf den Bildschirmen mit Auftritten in Filmen und Fernsehserien kultivieren, von denen man heute noch viele auf der Internetplattform YouTube sehen kann. Dazu kamen Interviews in Late-Night-Talkshows, seine Auftritte bei Schönheitswettbewerben und in Wrestlingshows. In einem Interview mit dem Guardian erinnert sich der Schauspieler Ben Affleck, dass Trump berühmt dafür war, Dreharbeiten an seinen Immobilienstandorten nur dann zu genehmigen, wenn er im Gegenzug einen Cameoauftritt bekam. Der Regisseur Martin Brest hatte aus diesem Grund in seinem Film Der Duft der Frauen eigens eine Szene vorgesehen, in der Trump in Al Pacino hineinläuft, die jedoch nie in der finalen Fassung des Films zu sehen war. In Kevin – Allein in New York war Trump tatsächlich kurz zu sehen, weil der Film im Plaza-Hotel gedreht wurde, das Trump 1988 gekauft hatte. Über die Jahre kam so viel zusammen, dass Trump, Mitglied der amerikanischen Gewerkschaft für Schauspieler, im Jahr 2016 168.584 Dollar Rente bezog. Darüber hinaus war Trump elf Jahre lang Produzent und Gastgeber der Reality-TV-Show The Apprentice, später von The Celebrity Apprentice, eine Sendung in der er C-Promis die berühmten Worte "Du bist gefeuert!" entgegenschleuderte. Auch als Präsident will er die Promiversion weiterhin produzieren. Gastgeber soll der Hollywoodstar und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger sein.

Konflikt mit China

Trumps eigene Arbeit ist nicht sein einziger Berührungspunkt mit Hollywood. Ein exklusives Interview mit Steve Bannon, dem Mann hinter der rechtskonservativen Website Breitbart News und Trumps Chefstratege, erschien nicht etwa in der Washington Post oder der New York Times, sondern im Hollywood Reporter. Bannon verdiente Millionen mit einer Beteiligung an der TV-Hitserie Seinfeld und seine Investmentfirma stellte Finanzierungen für Filmstudios. Steven Mnuchin, Trumps Kandidat für das Amt des Finanzministers, produzierte eine Reihe von Hollywoodblockbustern, darunter Avatar und Batman v Superman: Dawn of Justice. In der Woche vor Weihnachten hatte sich Trump außerdem mit seinem "guten Freund", dem ehemaligen Hollywoodagenten Ari Emanuel getroffen. Emanuel ist "die wohl einflussreichste Person in Hollywood", urteilt Wallenstein. Interessant daran ist, dass Emanuel Demokrat ist. Der innere Kreis seiner Vertrauten umfasst viele der einflussreichsten Persönlichkeiten der Branche und er könnte die ein oder andere Brücke für Trump bauen.

Es ist dieses Spannungsverhältnis, das darauf hinweist, wie viel in den nächsten vier Jahren passieren kann.

Hollywoods Wirtschaft wird untrennbar mit Trumps Präsidentschaft verbunden sein. "Ich weiß, dass Leute in den einflussreichsten Positionen der Unterhaltungsindustrie derzeit sehr besorgt sind in Bezug auf eine ganze Reihe von Politiken und deren Einfluss auf die politischen Werte und Geschäfte Hollywoods", sagt Wallenstein. Hollywoods größte Märkte liegen außerhalb Nordamerikas. Striktere Handelsbeschränkungen könnten weitreichende Folgen haben. Kein Film kann mehr Kassenrekorde brechen, wenn er nicht auch in China läuft. Trumps Konflikt mit China ist Hollywood deshalb ein Dorn im Auge: Er würde Investitionen in Milliardenhöhe hemmen und Hollywoods Zugang zum lukrativen chinesischen Filmmarkt bedrohen, der bis zum Ende des Jahres 2017 die USA als Nummer 1 der Welt ablösen könnte. "Auch eine Entfremdung von Muslimen und Latinos wäre finanzieller Selbstmord für die meisten Hollywoodstudios, die auf Produktionsfinanzierungen aus muslimischen und lateinamerikanischen Quellen angewiesen sind", sagt der Historiker Peretti.

Ein weiteres Risiko sieht Peretti darin, dass Trump die Federal Communications Commission (FCC) mit seinen Beauftragten versorgen könnte. Diese Behörde hat mit Hollywood in der Vergangenheit über Zensur und Ratings verhandelt und "Trump könnte diesen Einfluss als zerstörerische Waffe einsetzen, wenn er seinen Kritikern in Film und TV schaden wollte". Nicht ausschließen will Peretti auch die Gründung eines "Trump TV" mit der Breitbart-Website als Basis. Oder die Gründung einer eigenen rechtskonservativen Produktionsfirma. "Dies ist seit Langem ein Traum von Republikanern", sagt der Historiker.