"Hollywood wird keine 180°-Drehung machen", sagt der stellvertretende Chefredakteur von Variety. Aber Wallenstein rechnet damit, dass es mehr Angebote geben wird für eine bedeutende Gruppe von Verbrauchern, die nicht nur Hillary Clinton, sondern auch Hollywood unterschätzt hatten: Middle America. "Wir werden wahrscheinlich mehr TV-Programme sehen, die auf ein weißes Middle America der Arbeiterklasse abzielen. Fernsehserien, die konservative Ansichten 'normalisieren’, Serien wie Roseanne oder Hör mal, wer da hämmert."

Werden diese Entwicklungen nicht auch zu Gegenbewegungen führen? Eine Blüte an Protestkunst in der Mainstreamkultur sei unwahrscheinlich, sagt Marc Fisher von der Washington Post, Co-Autor der Biografie Trump Revealed, weil das nicht mit den kommerziellen Anforderungen von Hollywood einhergeht. Vielmehr werde in der Branche bereits an neuen Themen und Charakteren gearbeitet, "die auf einem autoritären Führer basieren und auf der Kraft des Populismus, latenten Hass auf Menschen anderer Rassen und Religionen zu aktivieren". Trump-Storylines werden ihren Weg in TV-Serien finden, betont Fisher, "vor allem solche, die von Terrorismus, Kriminalität und internationaler Spionage handeln". Eine TV-Serie, die sich mit den kulturellen Umwälzungen schon jetzt beschäftigt, ist zum Beispiel The Good Fight, ein Spin-off der Serie The Good Wife, das der Idee nachgehen wird, ob das Land "möglicherweise eine grausame Kultur akzeptiert", zitierte Variety vorab den Co-Schöpfer der Serie Robert King.

Die allgemeine Einschätzung ist, dass Donald Trump eine hochkapitalisierte Persönlichkeit ist, die sich alle Türen offen halten wird, selbst wenn ihn Hollywood nie wirklich ins Herz geschlossen hat. Jahrzehntelang hat er an den gepolsterten Türen der Unterhaltungselite gekratzt, nur um als Popkuriosität abqualifiziert zu werden. Es ist ein zutiefst ambivalentes Verhältnis und es liegt eine gewisse Ironie darin, dass Trump sich immer wieder nach der Anerkennung jener Menschen gesehnt hat, die er heute als "Eliten" beschimpft. "Ich will das Volk", schleuderte er Hollywood in einem Tweet anlässlich seiner Amtseinführung entgegen. Ihn als Underdog zu bezeichnen, wäre ein Fehler, weil er nicht daran interessiert sei, das Establishment zu untergraben. Er will es vielmehr durch seinen eigenen Geldadel ersetzen. Dieser neuerliche Akt der Selbstvergrößerung wäre Trumps Rache und Happy End.