Fünf Jahre ist es her, seit Frances Halladay über New Yorks Zebrastreifen tänzelte, den Rucksack mit ihrem Ballast locker geschultert, mit rudernden Armen hastige Pirouetten drehte, die Chucks in der Luft. In der ständigen Schwebe zwischen Wohnungswechseln, Beziehungskrisen und Gelegenheitsjobs vollzog sie ihre Luftsprünge mit einer Nonchalance, die den Ernst des Erwachsenwerdens zu einer Ausweichbewegung zwang. Frances Ha verdankte seinen Erfolg nicht zuletzt Greta Gerwigs unbekümmerter Darstellung der Hauptfigur. Gefeiert dafür, dass nun endlich auch Frauen ihre quarter life crisis auf der Leinwand ausleben durften, reihte sich Noah Baumbachs Komödie ein in die zunehmend professioneller werdenden amerikanischen Mumblecore-Produktionen.

Auch Luca tanzt, aber leise. Schon der Filmtitel suggeriert, dass hier keine beschwingte Abhandlung über Sinn und Unsinn des Y-Daseins zu erwarten ist, dass es, Achtung, um die leisen Töne geht. Die Protagonistin Luca tanzt im ganzen Film nur ein einziges Mal, und auch da handelt es sich eher um ein Wanken. Mit Ende zwanzig, im gleichen Alter wie Frances also, holt Luca nach einer zehnjährigen Phase der Depression ihr Abitur nach, mal mehr, mal weniger entschlossen. Eigentlich ein ganz guter Ausgangspunkt, filmisch betrachtet.

Es geht auch ganz gut los: Luca im Bett (Weckerklingeln, tiefes Stöhnen), Luca im Zimmer (zerschlissenes Nachthemd, Ikea-Möblierung), Luca auf dem Schulweg (Lederjacke, gelbe Blondierung im Sonnenlicht). Luca ist, wie sich schnell herausstellt, der Prototyp der Berliner Jöre.

Lebensnah unappetitlich

Doch der Plot wirkt schnell allzu bemüht: wenn sich herausstellt, dass Frau Meier (Daunenweste, Tupperdose) nicht nur Lucas Lehrerin, sondern auch ihre Mutter ist; wenn Luca neben ihrem Schulkameraden Kurt auf dem Bordstein von einer Zeit nach den Abiturprüfungen träumt und die Pizza dabei so unappetitlich, oder sollte man sagen: so echt, so lebensnah, kaut, dass die Regieanweisung als Untertitel mitlaufen könnte. Kurt ist schon etwas älter, Kfz-Mechaniker und kann Mathe, Luca kann Englisch, also tun sie sich zusammen, klar, und als Luca dann während einer gemeinsamen Spritztour anlässlich gemeinsamer Prokrastination erzählt, wie sie ihren Hund aus einer bulgarischen Tötungsstation gerade noch so retten konnte, hat nun wirklich jeder begriffen: Das hier sind gute Charaktere, janz echte Berliner mit dem Herz am rechten Fleck. Zwei auf dem zweiten Bildungsweg, die es nicht leicht haben im Leben, aber zusammen halten.

"Kennste des, wenn du es nicht schaffst, morgens aus dem Bett aufzustehen?", leitet Luca die Ernsthaftigkeit des Films ein: Hier geht es schließlich um Depression. Kurt kennt das, klar. Hatte selbst mal so 'ne Phase, hat sie aber überwunden, dank seiner Autos, um die er sich kümmern musste, so wie sich Luca jetzt um ihren Hund kümmern muss. Thema abgehakt. Lässiges Verweilen auf dem Heck eines Alfa Romeo, Berliner Limos in der Hand.