Wir klaubten die restlichen Weihnachtskekse aus der Dose, pellten die Folie vom letzten Schokonikolaus und machten es uns auf der Couch gemütlich. Auf RTL lief der erste Teil der neuen Sitcom Magda macht das schon. Sie handelt von einer jungen polnischen Altenpflegerin in Deutschland. Ich bin Polin, mein Mann Deutscher. Wir schauen uns gerne Klamauk an, da wir beide in Kreativberufen unterwegs sind und manchmal am Ende des Tages etwas leichte Kost brauchen. Mein Mann hatte schon die Vorschau gesehen und mich gewarnt. Dunkel-TV wäre das, sagte er. Aber ich wollte mir meine eigene Meinung bilden, also verfolgten wir gemeinsam, wie Magda, die energische, schöne Polin eine Anstellung bei einem Ehepaar mit zwei Kindern samt Großmutter findet. Die Oma ist bettlägerig und übellaunig. 1945 ist sie aus Schlesien vertrieben worden, hegt revanchistische Sehnsüchte und ist überzeugt, dass alle Polen klauen. Alles kein Problem für Magda, die jeglichen Widrigkeiten tapfer die Stirn bietet.

Karolina Kuszyk, Jahrgang 1977, ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie übersetzte u. a. Bernard Schlink, Max Frisch, Ilse Aichinger und Karen Duve ins Polnische. 2009 gewann sie den zweiten Preis im Poetry Slam der slawischen Sprachen in Berlin. Seit 2014 unterrichtet sie literarische Übersetzung und Literaturkritik an der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). © Tobias Panwitz

Zwei Dinge habe ich nach der ersten Folge gelernt. Erstens: Polinnen sind unerschrocken und arbeiten hart. Magda hilft der Alten auf die Toilette, hievt sie ohne Mühe vom Fußboden, nachdem sie aus dem Bett gefallen ist und zaubert auch nach einem anstrengenden Tag noch eine (polnische?) Gans zum Abendessen für die ganze Familie. Nicht schlecht. Erkenntnis zwei: Polinnen haben einen Hang zu nuttenhaften Outfits und kleiden sich für Vorstellungsgespräche wie für einen Besuch in der Dorfdisko. Und wenn sie nicht erreichen, was sie möchten, ziehen sie eben einen noch kürzeren Rock an. Magda nennt das "Gewinneroutfit". Nun ja. Erkenntnis drei: Polinnen haben eine scharfe Zunge. Magda bietet der bösen Oma so gekonnt Paroli, dass man glauben könnte, sie hätte einen Kurs in verbalem Durchsetzungsvermögen absolviert. Oma: "Du hast dich bei uns eingeschlichen!" Magda: "Wie ihr bei uns 1939, was?" 

Trotz der plumpen Charakterzeichnungen musste ich ein paar Mal laut lachen. Mein Mann zog die Augenbrauen hoch, er konnte es nicht glauben. Tatsächlich hätte ich mich noch vor fünf Jahren über eine Serie wie diese echauffiert bis zum Geht-nicht-mehr. Aber mittlerweile weiß ich aus meiner eigener Erfahrung als Autorin, dass es nicht so einfach ist, mit Klischees zu spielen, ohne einige von ihnen am Ende vielleicht sogar zu verfestigen. Auch Magda macht das schon bricht zwar einige Klischees auf (nein, nicht alle Polen klauen, Magda ist ein ehrliches Mädel; nein, nicht alle Polen sind faul, Magda arbeitet sehr hart), um sie an anderer Stelle aber munter zu reproduzieren (Polinnen ziehen sich "billig" an – siehe Magdas Outfits; Polen sind fromm – in Magdas Zimmer steht eine große blinkende Marienstatue).

Trotzdem habe ich mir diese erste Folge eher wohlwollend als empört angesehen. Denn zumindest gibt Magda den vielen ausländischen Frauen, die hierzulande hart und meistens unterbezahlt im Sozialsektor arbeiten, ein Gesicht. Wie Magda wechseln sie Windeln, füttern und unterhalten Menschen, putzen und kochen. Nicht selten tun sie das zu haarsträubenden Konditionen. Ohne diese Frauen – ob Polinnen, Ukrainerinnen oder Rumäninnen – würde die Altenpflege in Deutschland gnadenlos kollabieren.

Ich echauffiere mich auch nicht darüber, dass der polnische Akzent der Schauspielerin nicht echt ist, sondern gratuliere der tollen Verena Altenberger dazu, dass sie ihn so gut imitiert. Auch wenn ich eine polnische Darstellerin bevorzugt hätte – allein der Authentizität wegen. Da wir Polinnen bekanntlich so clever und zupackend sind, hätte sie den Regisseuren Torsten Wacker und Nico Zingelmann sicher klargemacht, dass wir längst keine silbernen Miniröcke mehr tragen. Spätestens seit den Achtzigern nicht mehr! Und dem Zuständigen für die Musikauswahl hätte sie erklärt, dass die balkanische Polka nur sehr entfernt etwas mit polnischer Volksmusik zu tun hat. Auch ökonomisch gesehen ist es verwunderlich, dass RTL keine echte Polin engagiert hat: Wahrscheinlich hätte sie für die halbe Gage gearbeitet.

"Magda macht das schon" läuft immer donnerstags um 21:15 Uhr auf RTL. Die Folgen sind zudem auf RTL Now abrufbar.