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22. September 2017 Liveblog abgeschlossen
© Kevin Winter/Getty Images

Oscars 2017: Mit Warren Beatty zum Frühschoppen

Einfach die falsche Karte gezogen: "La La Land" ist nicht der beste Film! "Toni Erdmann" auch nicht. Und Donald Trump hat nicht getwittert. Die Oscarnacht zum Nachlesen
  • Als bester Film wurde Moonlight von Barry Jenkins ausgezeichnet, nachdem der Laudator Warren Beatty zunächst die Besetzung von La La Land als Preisträger auf die Bühne gebeten hatte.
  • Der deutsche Beitrag Toni Erdmann von Maren Ade war für einen Auslandsoscar nominiert, gewann die Trophäe aber nicht. Stattdessen wurde The Salesman des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi ausgezeichnet.
  • Die Auszeichnung für die beste männliche Hauptrolle gewann Casey Affleck (Manchester by the Sea), diejenige für die beste weibliche Hauptrolle Emma Stone (La La Land). Das Musical war 14 Mal nominiert und gewann sechs Preise, u. a. in den Kategorien Regie, Schnitt und Kamera.
  • Im vergangenen Jahr hat es die Debatte um #OscarsSoWhite gegeben. Diesmal wurden mehr schwarze Künstler als je zuvor nominiert. Mit Viola Davis und Mahershala Ali gewannen bereits zwei schwarze Schauspieler in der Kategorie der besten Nebendarsteller.
  • Der Moderator Jimmy Kimmel teilte zwar ein paar Mal gegen Donald Trump aus, die Preisträger hielten sich jedoch mit politischen Äußerungen weitestgehend zurück. Der iranische Regisseur Asghar Farhadi, der den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewann, war der Veranstaltung aus Protest gegen den von US-Präsident Trump verhängten Einreisestopp für Muslime aus sieben Ländern ferngeblieben. Über seine Vertreterin ließ er eine Erklärung verlesen, in der er davor warnte, die Welt in die Kategorien Freund oder Feind einzuteilen.
  • Hier finden Sie alle Beiträge zu den Oscaranwärtern.

  • 6.10 Uhr Und jetzt passiert das, wofür es sich eben doch gelohnt hat, wach zu bleiben. Oder bin ich gar nicht mehr wach? Sind die Menschen im Saal es auch nicht? Plötzlich ruft der Produzent von La La Land: "Wir haben gar nicht gewonnen, das ist kein Witz, Moonlight hat gewonnen!" 


    Irritation allenthalben, schon wieder ein verreckender Witz wie vorhin mit diesen sogenannten normalen Menschen, die plötzlich durch den Saal latschten? Nein, eine beispiellose Panne: Jemand hat dem bemitleidenswerten Warren Beatty einen alten Umschlag gereicht, darin lag noch der Zettel mit der besten Hauptdarstellerin – Emma Stone von La La Land. Daraufhin muss hinter den Kulissen haltlose Panik ausgebrochen sein, es ist der falsche Film, der falsche Film, verdammte Scheiße! Also alle La-la-Leute ganz schnell runter von der Bühne, die Moonlight-Leute rauf, die wissen natürlich gar nicht mehr, was hier Traum ist und was Wirklichkeit, Warren Beatty entschuldigt sich noch wie ein Greis, der versehentlich das Auto seines Sohnes zu Schrott gefahren hat, jemand zieht ihn vom Mikrofon weg, Kimmel macht noch ein paar laue Witzchen, dann kommt die Radeberger-Werbung, und plötzlich steht wieder Steven Gätjen auf dem roten Teppich, und alles geht von vorne los. 

    Es ist ein Albtraum beziehungsweise die Albwirklichkeit. Wenn diese Veranstaltung zeigen sollte, dass nichts mehr so richtig wahr ist, nicht mal mehr das, was Hollywood sich ausdenkt, dann war sie ein voller Erfolg. Wenn nicht, dann auch. Dafür sollte man ihr einen Oscar verleihen. Oder halt jemand anderem, egal. 


    Ich gehe jetzt mit Warren Beatty zum Frühschoppen und höre erst wieder auf zu saufen, wenn Trump was getwittert hat. Erschöpft, aber unglücklich: Ihr ergebenster Dirk Gieselmann.  

  • 6.07 Uhr Warren Beatty, der Ottmar Hitzfeld der Academy, nestelt am Umschlag, meine Herren, ist das "spannend"! Der Gewinner ist ... La La Land. Die Frage, die mich am meisten umtreibt: Wie gähnt man demonstrativ, wenn man wirklich hundemüde ist?

  • 6.00 Uhr Jetzt die letzte, die wichtigste Kategorie: das Buffet! Nein, doch noch nicht: der beste Film. Überbringerin Faye Dunaway orakelt, der Film könne "ihr Bewusstsein verändert" haben. Dann kann es ja wohl kaum schon wieder ... Aber warten wir es lieber mal ab.  

  • 5.54 Uhr Leonardo di Caprio, offenbar gut erholt von seinem letztjährigen Jagdunfall, verleiht den Oscar an die beste Hauptdarstellerin. Und die heißt: Emma Stone. Schon wieder dieses dubiose Musical, bei dem ich nicht aufhören kann, an Rollschuhe und Katzenkostüme zu denken. Ich möchte Jean-Jaques Schuhl zitieren: "Und während dieser ganzen Zeit, da singe ich la-la-la-la-la..."

  • 5.50 Uhr: Jetzt, da meine Kräfte nachlassen, wird es interessant, und ich merke es nicht mehr. Doof. Naja, wie dem auch sei. Bester Hauptdarsteller: Casey Affleck für Manchester by the Sea. Goslings und Mortensens Gesichter sind so leer wie die Pokalvitrine von Bayer Leverkusen. Und Affleck weint auf der Bühne, wie nur Schauspieler auf der Bühne weinen können. 

  • 5.44 Uhr: Sollten diese Promis noch mal mit normalen Menschen zusammen treffen wollen: Übrigens ist gerade meine Frau aufgestanden, um ihre Steuererklärung zu machen. Ich stelle gern den Kontakt her, aber erst, nachdem ich meinen Kaffee ausgetrunken habe. 


  • 5.42 Uhr: Beste Regie: Damien Chazelle (ca. 12 Jahre alt) für La La Land, offenbar das Produkt der Film-AG in der fünften Klasse. Durchaus achtbar also. Jedoch: In diesen Zeiten ein Musical mit dem Oscar auszuzeichnen, das ist, als würde man den Friedensnobelpreis an den Melitta-Mann verleihen. So in etwa. 

  • 5.40 Uhr: Vielleicht haben Sie aufgrund des Zeitdrucks aber auch einfach den Teleprompter beschleunigt. Noch zwanzig Minuten Sendezeit, noch vier Kategorien. 

  • 5.35 Uhr: Bestes adaptiertes Drehbuch: Moonlight. Preisträger Barry Jenkins redet so schnell, wie ich um diese Uhrzeit beim besten Willen nicht mehr zuhören kann. Ich wünsche mir sehnlichst den German Ambassador herbei.

  • 5.31 Uhr: Gewonnen hat Kenneth Lonergan für Manchester by the Sea. Typ Bibliothekar, der, wenn man ihn endlich mal nach was anderem fragt als nach Büchern, plötzlich die schönsten, schillerndsten Sätze sagt, die sich denken lassen. Lasst uns alle öfter Bibliothekare ansprechen!

  • 5.26 Uhr: Und meine Eltern natürlich auch. Die haben aber leider kein Internet. Vielleicht ein Stoff für die Drehbuchautoren, die jetzt ausgezeichnet werden? Hey, La La Land: Das könnte doch auch ein tolles Musical sein!


     

  • 5.17 Uhr: Ich möchte die Eltern von Hauschka grüßen, die jetzt wahrscheinlich gerade das Graubrot fürs Frühstück aus dem Kasten holen (siehe 2.17 Uhr). 

  • 5.14 Uhr: Bester Soundtrack: Justin Hurwitz, Komponist von La La Land. Der räumt dann auch gleich den Oscar für den besten Song ab. Muss ich mir merken: Musical drehen, Musik-Oscars abräumen. Genial. Beinhaltet aber auch die Gefahr, wie ein unbeliebter Streber rüberzukommen, der nach den Mathehausaufgaben noch freiwillig Geige übt und seinen Eltern Geschenke bastelt. Hm. Ich probier's mal.


     

  • 5.12 Uhr: Samuel L. Jackson. Hab mich immer gefragt, wofür das L. stehen mag. Mittlerweile hat er so sehr was von einem wunderlichen und dabei durchaus liebenswerten Herrn, der Schmetterlinge sammelt, dass ich tippen würde: Das L. steht für Ludger.  


  • 5.05 Uhr: Der Oscar für die besten Special Effects gebührt meines Erachtens übrigens dem Besitzer des Autos, das hier unten in der Straße parkt und an dem die ganze Nacht schon die Lichter brennen. Und morgen früh, wenn er merkt, dass die Karre nicht anspringt, holt er sich auch noch den Oscar für den besten männlichen Hauptdarsteller. Eat this, Gosling!

  • 5.03 Uhr: Jetzt Ryan Gosling und Emma Stone, die so perfekt aussehen, wie man sich auf seinem Abi-Ball für ein paar kostbare, flüchtige Stunden gefühlt hat, bis die Fotos entwickelt waren und bis in alle Ewigkeit festhielten, dass dem ganz und gar nicht so war, wie auch, mit einer Mickey-Mouse-Krawatte um den Hals und einer Zehn-Mark-Frisur auf dem Kopf? 

  • 5.01 Uhr: Der Oscar für die beste Kamera geht an den Kameramann von La La Land, der aussieht wie ein Model aus einem schwedischen Outdoorkatalog, und während ich noch seinen Namen googele, denke ich, der heißt doch bestimmt Linus Sandgren – und: Bingo. Sind das schon Vorurteile, die ich da habe?

  • 5.00 Uhr: Jetzt Meryl Streep auf der Bühne. Derweil im Trump Tower: "Chef? Hallo, Chef?" Nichts.

  • 4.55 Uhr: Werbung ohne "Eichelschmeichler" ist keine Werbung. Bin so was von enttäuscht.

  • 4.52 Uhr: Jetzt kriegt auch Sting seinen Oscar. "Wofür das denn?", schreit Bono. "Warum nicht ich?" Entschuldigung. Es muss Sing heißen. Für den besten Life Action Short Film.  


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