In der Kreuzberger Altbauwohnung, in der Thomas Mauch mit seiner Lebensgefährtin lebt, stapeln sich die Filmdosen. "Es tut mir leid", sagt er zur Begrüßung entschuldigend, "aber es ist hier gerade ein wenig chaotisch. In ein paar Tagen kehrt wieder Ordnung ein." Mauch steckt in den letzten Vorbereitungen für eine kleine Werkschau, die die Deutsche Kinemathek anlässlich seines 80. Geburtstags organisiert hat. Der ist zwar erst im April, "aber nach der Berlinale drängen sich schon die Termine, also dachten wir, es wäre eine gute Idee, das Programm einfach vorzuziehen."

Wäre ja auch sträflich, das Jubiläum eines der prägendsten Akteure im deutschen Nachkriegskino aus Termingründen zu versäumen. Wer sich mit dem deutschen Film nur kursorisch beschäftigt, kennt den Namen Thomas Mauch vielleicht nicht auf Anhieb. Mindestens einen Film von ihm hat wahrscheinlich aber jeder schon gesehen.

Mauch war der Kameramann von Fitzcarraldo, Werner Herzogs strapaziösem Monumentalwerk im brasilianischen Urwald, das längst ins Reich der Legenden eingegangen ist. Das Bild des 320 Tonnen schweren Dampfschiffs, von Menschenhand über einen Hügel gezogen, schrieb Kinogeschichte. Thomas Mauch hat es aufgenommen. 1982, als der Film ins Kino kam, galt er längst als einer der wichtigsten Kameraleute des deutschen Kinos.

Mitte der sechziger Jahre feierte Mauch mit Alexander Kluges Abschied von gestern seinen ersten internationalen Erfolg. Der Film über eine junge Ostdeutsche, die nach ihrer Flucht im Westen Fuß zu fassen versucht, aber an der sozialen Kälte und gesellschaftlichen Ungerechtigkeit zugrunde geht, wurde bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet. Seine reportagehafte, visuell ungemein bewegliche Erzählweise löste eine Welle aus – die Geburtsstunde des Neuen Deutschen Kinos.

Gegen die Behäbigkeit des Nachkriegskinos

Thomas Mauch wurde gelegentlich auch als das Auge jungen deutschen Films bezeichnet. Es war eine gute Zeit, um Geschichte zu schreiben. 1962 hatte eine Gruppe Filmschaffender, es waren tatsächlich nur Männer – darunter Alexander Kluge, Edgar Reitz, Hansjürgen Pohland und Peter Schamoni –, auf den Kurzfilmtagen in Oberhausen das Ende von Papas Kino verkündet. Man müsse die Behäbigkeit und Geschichtsvergessenheit des deutschen Nachkriegskinos überwinden und forderte finanzielle Unabhängigkeit für Filmautoren. Mauch gehörte damals nicht zum engen Kreis der sogenannten Oberhausener Gruppe, aber er hatte mit Reitz Ende der fünfziger Jahre bereits Industriefilme gedreht.

"Ich habe das Oberhausener Manifest nie wirklich als Programm betrachtet", erzählt Mauch mit einem vielsagenden Lächeln und schenkt noch etwas Tee nach, "dafür waren die Filmemacher viel zu unterschiedlich. Aber für eine relativ kurze Zeit war das deutsche Kino ein Autorenkino, dem niemand reinredete. Sogar das Bundesinnenministerium unter Hermann Höcherl, einem CSU-Mann immerhin, machte damals mit. Die gaben zehn Filmen je 300.000 Mark."